Was ist eigentlich 'Der Wille zur Kraft'?

Voller Einsatz ist eine Frage des GeistesVoller Einsatz ist primär eine Frage
des Geistes
„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“
Antoine de Saint-Exupéry

Dieser bekannte Spruch hat eine tiefgreifende Bedeutung.
Nichtsdestotrotz findet er in unserem Leben kaum Beachtung. Insbesondere in der Erziehung junger Menschen werden fast ausschließlich Aufgaben verteilt und Vorhaltungen gemacht: 'Ernähre Dich gesund.' 'Pass auf Dich auf.' 'Trink nicht soviel.'
Die Begründungen fallen zumeist ebenfalls sehr spärlich aus: 'Das macht man so.' 'Das ist wichtig.'

Da ist es nicht gerade verwunderlich, dass sich so gut wie niemand daran hält. Schließlich scheint diesen Grundsätzen der tiefere Sinn zu fehlen und niemand, der für sich einen freien Willen beansprucht, wird sich an derartige Anweisungen halten, nur weil Sie von jemand anders gepredigt werden.

Wer zudem auf Grund seines jungen Alters noch keine feste Orientierung in unserer Welt gefunden hat, wird sich auch dementsprechend orientierungslos verhalten.

Wer nämlich noch kein festes Ziel für das eigene Leben vor Augen hat, dem ist das eigene Leben auch relativ egal. Entsprechend respektlos wird dann auch mit der eigenen Gesundheit und der eigenen Lebenszeit umgegangen. Daran können Vorhaltungen und Ermahnungen anderer Menschen auch nichts ändern.

Sobald in einem Menschen jedoch einmal der geistige Funke zu einem festen Ziel gezündet hat, der das Potential in sich trägt, zu einem brennenden Feuer anzuwachsen, wird dieser Mensch sein gesamtes Leben nach diesem Ziel ausrichten.

Für einen Jugendlichen z.B., der in sich den Drang verspürt, das Potential seiner körperlichen Entwicklung nicht mehr brach liegen zu lassen, wird sich sein gesamte Leben verändern, weil sich sein Denken verändert hat.

Sobald er in seinem Geist die Sehnsucht nach einem durchtrainierten, starken und muskulösen Körper entfacht hat, hat er ein festes Ziel vor Augen.

Ganz plötzlich wird er anfangen, sich für Anatomie und Ernährung zu interessieren. Er wird sich bei den verschiedenen Themen der Sportwissenschaften einlesen und versuchen möglichst viel von diesem Wissen umzusetzen. Außerdem wird er beginnen, sich um seine Gesundheit zu sorgen und seine Zeit sinnvoller zu nutzen. Selbst am Wochenende wird er nicht mehr feiern, sondern trainieren gehen. Sein einziger Kater ist von nun an der seiner Muskeln und es geht ihm nicht mehr darum, möglichst viel zu trinken, sondern möglichst viel zu trainieren.

Der Schlüssel zu langfristigem Erfolg ist nun jedoch nicht von einem ganz speziellen Trainings- oder Ernährungsplan abhängig, sondern von seiner mentalen Stärke.
Die Stärke seines Willens entscheidet, ob es ihm auch langfristig möglich sein wird, sich beständig, auf die Erreichung seines Zieles konzentrieren zu können.
Wege gibt es nämlich viele und fast alle führen zum Ziel. Die meisten Menschen scheitern jedoch nicht in ihren Bestrebungen, weil sie sich auf dem falschen Weg befinden, sondern weil sie ihr Ziel aus den Augen verloren haben.

Über die Notwendigkeit mentaler Stärke wird heutzutage kaum nachgedacht und noch weniger geredet. Überall geht es nur um Trainings- sowie Ernährungspläne und -systeme. Und wenn die Fortschritte auf sich warten lassen, dann wird die Schuld dem jeweiligen Plan oder System zugeschrieben.
Damit ist man zwar oberflächlich betrachtet fein raus, doch in Wirklichkeit liegt das Scheitern in einem selbst begründet und zwar in grundlegenden mentalen Schwächen:

Derjenige nämlich, der keinen starken Willen, kein mentales Fundament, kein festes Ziel hat, der wird auf jedem Weg, bei jedem System und bei jedem Plan scheitern.

Wie am Laufband werden dann verschiedene Systeme und Pläne durchprobiert. Zusätzlich werden Unsummen für Nahrungsergänzungsmittel – sog. Supplements – verpulvert.

Wenn die Fortschritte dann weiterhin ausbleiben, gibt es für viele nur drei Auswege:
Entweder wird die Hantel endgültig in die Ecke geschmissen und nie wieder angerührt, oder es erfolgt der Griff zu diversen biochemischen teilweise illegalen Hilfsmitteln, oder man findet sich damit ab, einfach nur mittelmäßig zu bleiben.

Erstens sind all diese Wege es nicht wert beschritten zu werden und zweitens sind sie alle nur eine Folge des Herumdoktorns an Symptomen und der Verkennung der wahren Ursachen:

Die wahren Ursachen des Scheiterns liegen nämlich nicht in der Schwäche der Sache, sondern in der Schwäche des Geistes.

Nur weil wir ab und an daran denken, dass es schön wäre, einen durchtrainierten Körper zu haben, wird sich in der Konstitution desselben nichts verändern.
Selbst regelmäßiges Training und eine bedachte Ernährung helfen da nicht viel weiter, wenn der eigene Wille nicht ausreichend geschult wird.

Bisher sind all diese Gedanken nämlich nur kurzfristig aufflammende Momente unseres Bewusstseins. Erst dann wird der Wille zu Fleisch!Erst dann wird der Wille zu Fleisch!Um jedoch wirklich Einfluss auf die Entwicklung unseres Körpers nehmen zu können, müssen wir nicht nur ab und zu an unsere Ziele denken. Wir müssen fest an sie glauben, um sie auch im Keller unseres Geistes - unserem Unterbewusstsein - fest verwurzeln zu können.
Durch wissenschaftliche Untersuchungen wurde nämlich herausgefunden, dass unser Wille nur dann stark ist und sein Potential entfalten kann, wenn er nicht nur an der Spitze unseres Geistes - unseres Bewusstseins – erscheint, sondern, wenn auch inständig an seine Verwirklichung geglaubt wird. Erst dann wird der Körper in seiner Entwicklung auch seinem geistigen Ziel folgen.

Wenn man es schafft, diesen starken Willen zu erschaffen und in den Tiefen des Geistes zu verankern, dann sind Pläne und Systeme sekundär.
Sehr schnell wird man gewisse Prinzipien entdecken auf die es wirklich ankommt und wenn man diese beachtet und beständig weiterentwickelt, dann wird der Fortschritt auch nicht lange auf sich warten lassen. - Über genau diese Prinzipien schreibe ich derzeit in meinem Buch.

Die meisten Menschen leben als Fremde in ihrem Körper. Sie haben zwar das ein oder andere Ziel, aber ihr Körper gehorcht ihnen nicht.
Was bei ihnen absolut verkümmert ist, ist der sogenannte Mind-Body-Link.
Erst wenn man an der Stärke des eigenen Willens arbeitet und diesen auch auf das Unterbewusstsein zu übertragen weiß, wird sich diese Brücke zwischen dem bewusstem Geist und seinem Körper verstärken und weiter entwickeln.
Erst dann, wenn wir nämlich auch unser Unterbewusstsein im Griff haben, haben wir auch unseren Körper und seine Entwicklung im Griff. Das ist wahre Körperbeherrschung und 'Der Wille zur Kraft' ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Schlussendlich und in Anlehnung an das einleitende Zitat von Antoine de Saint-Exupéry können wir nun folgendes Fazit ziehen:

Wenn Du einen durchtrainierten Körper aufbauen willst, so halte Dich nicht mit hochkomplizierten Systemen, chemischen Hilfsmitteln und pedantischem Kalorienzählen auf, sondern stärke vor allem Deinen Willen und glaube an ihn. Dann wird Dein Körper auch Deinen Zielen folgen.


Bilderquellen:
Voller Einsatz: jontunn
Personifizierter Wille: jontunn

Kommentare

Hallo Der Wille soll geschult

Hallo

Der Wille soll geschult sein. Gibt es hierbei eine Methodik? Wie kann Konzentration effektiv kanalisiert werden damit die "Aufmerksamkeitsräuber" des Alltags keine Rolle mehr spielen? Es geht doch darum, dass das Bewusste, welches den Wille zu dem was man sein will darstellt, ins Unterbewusste transferiert wird. Wie kann der Fokus auf Wesentliches zB. durch Autosuggestion oder Visualisierung im Unterbewusstsein dominant werden? Kann es aber auch sein, dass gerade deren Notwendigkeit auf einen zu schwachen Willen hinweisen?

Gruss
murphy232

Hey Murphy, Du hast es

Hey Murphy,

Du hast es erfasst: Es dreht sich genau darum, das Bewusste ins Unterbewusste zu transferieren. Dies geht z.B. durch die von Dir angesprochenen Techniken der Suggestion und Visualisierung. Am effizientesten scheint es aber zu sein, eine andauernde Suggestion im Hintergrund des Bewusstseins laufen zu lassen. Je intensiver und dauerhafter sich das Bewusstsein mit einem individuellen Ziel beschäftigt, desto mehr geht es auch in Fleisch und Blut über.
Dies hat auch einen nachvollziehbaren Hintergrund:
Der Gemütszustand der meisten Menschen gleicht regelmäßig einem Wechselbad der Gefühle. Wenn jede einzelne dieser Gemütsschwankungen direkt in das Unterbewusstsein übernommen und körperliche Auswirkungen haben würde, wäre die Konstanz unseres Körpers - seine Trägheit, wie sie uns bekannt ist, so nicht gewährleistet.

Aus diesem Grund macht es durchaus Sinn, wenn nur derjenige Wille, der uns wirklich zutiefst auf der Seele brennt, Einfluss auf unsere Konstitution erhält.

Nun erkennt man auch, warum es nichts bringt, wenn man sich mental nur nach Feierabend, oder am Wochenende Sorgen um den eigenen Körper macht und es einem in der restlichen Zeit egal ist.

In diesem Sinne scheint das Unterbewusstsein sehr demokratisch zu sein. Es widmet sich nur denjenigen Anliegen unseres Bewusstseins, mit denen es sich auch hauptsächlich beschäftigt.

Aus diesem Grunde ist die Beharrlichkeit eines der obersten Gebote für die Verwirklichung persönlicher Ziele.

In Bezug auf Deine letzte Frage, ob die Notwendigkeit derartiger gezielter Einflussnahmen auf das Bewusstsein ein Hinweis auf einen zu schwachen Willen ist, kann ich Dir nur Folgendes antworten:
Einerseits lässt sich sicherlich an der Stärke eines jeden Willens arbeiten und andererseits ist sich die Forschung wohl einigermaßen darin einig, dass es nur sehr sehr wenige Naturtalente gibt, die von Geburt an oder durch frühkindliche Prägung/Erziehung einen starken Willen haben. Die Norm hingegen bedarf einer gründlichen Schulung und Entwicklung des eigenen Willens.
Denn was nicht ist, kann ja noch werden, aber was nicht wird, wird auch nie sein.

Genauigkeit statt Anstrengung

"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft" so beginnt COUÉs weltberühmtes, in ca. 20 Sprachen übersetztes Buch über die Autosuggestion. Damit das Unbewusste etwas vom Bewussten annimmt, macht man sinnvollerweise keinerlei DRUCK, denn sonst muss es zurückdrücken: actio = reactio. Als Ich-kann-Schule-Lehrer nutze ich das SOG-Prinzip; hier gilt auch actio = reactio. Ich lasse mir etwas ein-. und/ oder auffallen, was ZIEHT. Mit Beharrlichkeit allein kann ich auch beharrlich danebenliegen; es muss schon genau passen. Im Experiment kann man gut deutlich machen, dass ein starker Wille eher ein Hindernis ist, mit schwachem (nach dem Wollen = Wählen gar nicht mehr aktivem) Willen klappt es am besten. Nicht schulen muss man den Willen sondern verstehen und sich seiner verständig bedienen. Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe

Wille und Zwang

Hallo Herr Neffe,

darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, als ich diesen Satz in besagtem Buch gelesen habe.

Hier herrscht ein Unterschied in Bezug auf das Verständnis des Begriffes "Wille" vor. "Wille" wird hier als etwas Zwanghaftes verstanden.

Dieses Verständnis teile ich nicht. Der Wille ist für mich etwas Freies, etwas das es uns erlaubt, nach unseren Zielen zu streben und je stärker dieser Wille ist, desto selbstbestimmter und erfolgreicher wird man auch dadurch werden. Vorstellung allein vermag nicht zu bewegen. Es bedarf eines Impetus - des Willens.

Aber erzwingen kann man das alles natürlich nicht. Das schreiben ja auch Tepperwein & Co.

Handicap Wille?

Meines Erachtens ist Herr Zippel in seinem Blogeintrag über das Arousal bereits indirekt auf einen Teilaspekt des von Ihnen angesprochenen Themas eingegangen. Er geht darin darauf ein, dass übetriebener persönlicher Druck sich nachteilig auf das Erregungsniveau und die daraus resultierende Performanz aus.

So heißt es darin:

"Zu viel Stress und Druck jedoch führen dazu, dass wir immer grobmotorischer werden und wir zusehends die Kontrolle über unser Fingerspitzengefühl verlieren. Dabei werden wir immer hektischer, aber genau das ist das Letzte, was wir beim Training mit schweren Gewichten brauchen."

"Für die vorherrschenden Komponenten unseres vegetativen Nervensystems, welche unser Arousal-Level und somit auch die Kapazität unserer Leistung steuern, gilt genau das Gleiche. Also lerne auch Du das Spiel zwischen dem Parasympathikus und dem Symphatikus zu beherrschen und sie werden optimal für Dich arbeiten."

Natürlich steht bei Christian Zippels Bemerkungen und der Darstellung des Yerkes-Dotson-Gesetzes die Trainings-Praxis im Vordergrund.

Zu verstehen, dass es sich dabei allerdings um ein universelles psychologisches Prinzip handelt ist mit Sicherheit nicht unwichtig. Jedoch ist die von Ihnen angesprochene Beharrlichkeit und ein ausgesprochen starker Wille, so spekuliere ich, eine im Querschnitt der Bevölkerung eher unterrepräsentiere Eigenschaft. So ist es zumeist nicht diese Eigenschaft an einem Menschen, welche somit Gefahr läuft, zum Hindernis zu werden. Für Menschen welche sich ständig am oberen Ende des Disziplin-Spektrums bewegen und kontinuierlich ein progressives und leistungsorientieres Training durchführen, ist der Einwand allerdings sicherlich hilfreich. In diesem Fall kann und sollte das paradoxe Wesen eines starken Willens genauer betrachtet werden.