Dass Essen mit Lebensgefühl und Lebensqualität verbunden wird, ist soweit nichts Neues. Es ist auch nichts Verwerfliches. Ganz im Gegenteil.
Auch ich liebe gutes Essen, gute Lebensmittel und kann diese intensiv genießen. So geht es vielen Menschen. Genauso? Naja...
Immer wieder stoße ich auf Unverständnis und blicke in Gesichter, voller Angst den Spaß am Leben zu verlieren, wenn es darum geht sich „etwas zu gönnen“. So wurde mir jüngst Missgunst gegenüber meinem eigenen Körper unterstellt, als ich beim Anblick von Minipizzen nicht wie der Rest der Runde reflexartig zugriff, sondern freundlich verneinte. Die Reaktionen waren einheitlich:
Nein, das könne sie nicht. Nein, das sei doch wirklich unmenschlich. Man müsse sich doch auch mal was gönnen. Man könne doch nicht freudlos durchs Leben gehen und sich jedem Genuss entziehen. Man sei ja schließlich kein Mönch.
Es stimmt! Ich gönne meinem Körper nichts – zumindest nicht wenn es um Analogkäse, Konservierungsstoffe und anders industriell verarbeitetes Essen geht. Ja, ich gehe sogar so weit, ich sage „Nein!“ zu Pressschinken aus Massentierhaltung, der auf oben erwähnten Pizzen nur allzu gerne maschinell platziert wird. Da bin ich wirklich stiefmütterlich zu meinem Körper, das gebe ich zu. Ich quäle ihn hingegen mit Fleisch, das ich ausschließlich beim Fleischer vor Ort kaufe. Um nur ein Beispiel zu nennen. Dadurch geht mir natürlich der Spaß flöten, zuzusehen, wie das Wasser beim Braten solange aus dem Fleisch läuft, bis nur noch die Hälfte übrig ist. Von der anschließenden Geschmacklosigkeit ganz zu schweigen. Aber was will man machen. Da bin ich knallhart.
Wer gönnt hier und wer vergönnt hier wem etwas?
Die meisten Menschen sind in der Auswahl ihres Hundefutters akribischer und pflichtbewusster als in der der eigenen Lebensmittel. Da wird das Premium Produkt gekauft, möglichst unverarbeitet, naturbelassen, ohne Getreide, ohne billiges Fleischmehl und natürlich ohne Zucker! Und während der Hund sein Futter verspeist, wandern Billigprodukte, Süßigkeiten und sonst wie verarbeitete Lebensmittel auf Herrchens und Frauchens Teller. Es tut mir leid, das verstehe ich nicht unter „sich was gönnen“.
dass es schmeckt (jetzt über antrainierte Geschmackspräferenzen zu sprechen, würde den Rahmen sprengen), aber daran kann ich wirklich nicht meine Lebensqualität fest machen. Wer das tut, wer das glaubt, wer deshalb nicht „Nein!“ zu Minipizzen sagen kann – der hat mein aufrichtiges und tiefes Mitleid.
Es gibt auch hier erhebliche Unterschiede zwischen Illusion und Wirklichkeit. Ernährungsillusionen werden geschaffen von Industrie, Werbung, unserer eigenen Erziehung und unserem persönlichen Umfeld. Dabei sind Glaubensgrundsätze teilweise so fest verwurzelt, dass man gar nicht merkt, wie man sich und seine Ziele damit selbst untergräbt. Woher kommt denn meine eigene "Philosophie des Gönnens"? Habe ich sie jemals hinterfragt? Warum nicht?
Illusionen sind nichts als Schein, ein Zauber, der deinen Verstand austricksen soll. Versuch doch beim Anblick der nächsten Minipizza einfach mal "Nein!" zu sagen. „Heute nicht!“ (und morgen auch nicht!).
Sich den Moment gönnen, in dem Verstand und Körper zusammen arbeiten und über alte Sitten siegen. Sich gönnen, Herr seiner selbst zu sein. Autark und frei zu sein: Dieses Gefühl, das ist Lebensqualität. Und zwar nicht eine, die zwei Minuten anhält und nichts hinterlässt, als den faden Nachgeschmack von Analogkäse und Pressschinken. Sondern eine Lebensqualität die anhält – jede Minute, jede Stunde, jeden Tag. Und deren Früchte ein gesunder Geist und ein gesunder Körper sein werden.
Gönn dir doch mal was, kann ich da nur sagen! Gönn dir das Gefühl von Selbstbestimmtheit und die Gewissheit, Ziele erreichen zu können.
Tipp: funktioniert auch bei Muffins, Croissants, Chips und Gummibärchen.

CZ: Vielen Dank an Aline für den guten Artikel und an Matthias Busse für die schönen Bilder! Jeder muss halt selbst entscheiden, ob er sich ein paar billige Snacks gönnt oder lieber einen ästhetischen Körper. Ob er ein selbstbestimmtes Leben führen will oder ganz einfach alles schluckt, was ihm die Industrie in den Rachen wirft. Aline wird schräg angeschaut, wenn sie sich auch mal den Verzicht an der richtigen Stelle gönnt. All denjenigen kann man nur eines entgegnen: Seht euch Fräulein Ziers Bilder an, schaut in den Spiegel und dann geht weinen!
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