So. Da sind wir nun im neuen Jahr. Was wird es wohl für Dich bereit halten? Ich kann es Dir sagen: Vor allem das, was Du Dir selbst verdienst und erkämpfst. Alles weitere ist rein zufällig oder durch andere Menschen bestimmt. Aber wir wollen keine Menschen sein, die den Gang ihrer Entwicklung von äußeren Bedingungen abhängig machen. Wir beherrschen die Umstände!
Aber nichts, was wirklich wertvoll ist, ist einfach. Soll heißen: Je schwerer wir uns das eigene Leben gestalten, desto wertvoller wird es dadurch auch für uns. Indem wir den Weg des höheren Widerstandes wählen, wählen wir auch den Weg der Stärke und der Entwicklung. Dadurch veredeln wir unser Sein in Form unseres Körpers, Geistes und Lebens.
Wer sich hingegen dem ständigen Müßiggang und der Entspannung hingibt, der wird schlaff, schwach und träge. So wird es auf lange Sicht demjenigen, der es sich zu gut gehen lässt, schlecht ergehen.
Der Denkfehler der Menschen unserer Gesellschaft liegt hier vor allem darin, Lebensqualität mit leichten Lebensbedingungen gleichzusetzen. Unser Ziel ist ein Platz an der Sonne. Wir möchten uns Reichtum erarbeiten, um es uns spätestens im Rentenalter gut gehen zu lassen und um die Sonnenseite des Lebens zu genießen. Gelinde gesagt, ist dies aber ziemlich oberflächlicher Blödsinn. Sich die körperliche Hochzeit des Lebens aufzureiben, um sich die letzten Jahre dann mit einem krummen Buckel zur Ruhe zu setzen, ist nicht gerade sehr bedacht. Das ist nichts weiter als eine Wahnvorstellung. Eine Illusion, dass das Leben schön wird, wenn es leicht wird und man sich ausruhen kann.
Aber mit der Leichtigkeit kommt auch die Schwäche, wodurch die Lebensqualität enorm zu sinken beginnt. Viele Menschen gehen geradezu ein, wenn ihnen die Lebensaufgabe, der Beruf oder eine sonstige Verantwortung genommen wird. Sie verkümmern an den nun mangelnden Anforderungen und Widerständen bis sie schlussendlich sterben. Wer sich also freiwillig zur Ruhe setzt, der hat sich schon mit der ewigen Ruhe angefreundet.
In Wirklichkeit sind es jedoch nicht die äußeren Bedingungen des Lebens, die entscheiden, ob eben dieses qualitativ hochwertig ist oder nicht. All die Umstände, die über die Gewährleistung von Gesundheit und Entwicklung hinaus gehen, sind nicht notwendig, nur Ablenkung, Überbau und Blendwerk.
Echte Lebensqualität kann nur im lebenden Subjekt selbst geschaffen werden. Einzig in unserem Körper und unserem Geist – den beiden Polen des Lebens – kann sie sich entfalten. Je mehr wir uns jedoch auf Äußerlichkeiten konzentrieren, umso mehr verlieren wir die Quelle wahrer Lebensqualität aus den Augen.
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, heißt es ja bekanntlich so schön. Aber Gesundheit ist nicht alles. Sie ist die Voraussetzung, das Fundament, aber nicht das Ziel, die Spitze des Lebens. Diese ist die Entwicklung. Die Weiterentwicklung. Leben an sich ist nichts weiter als eine sich immer weiter entwickelnde Entfaltung komplexer Ordnungen. Von den ersten Bakterien und Mehrzellern bis hin zu den höheren Säugetieren hat sich das Leben beständig weiterentwickelt – der Mensch ist die momentane Spitze dieser Entwicklung. Er ist die personifizierte Entwicklung der Natur und Entwicklung ist auch sein Metier. Aus diesem Grunde geht es nicht nur um Gesundheit, sondern um so viel mehr. Es geht um die Überwindung der Schwächen und die Entwicklung von Stärken, um einen starken Geist in einem starken Körper.
Diese Stärken wachsen jedoch nicht grundlos in uns. Sie sind vorerst nur potentiell vorhanden, als Möglichkeiten. Wie enorm vielschichtig und umfassend dieses Potential wirklich ist, weiß keiner von uns. Doch es ist überaus enorm, ja unfassbar. Vom Homo sapiens – dem weisen Menschen – sind wir noch weit entfernt, aber das Potential dazu haben wir alle. Weisheit ist jedoch nur ein Aspekt des menschlichen Potentials und ich bin mir sicher, je mehr wir darin bestrebt sind, unser Potential insgesamt zu verwirklichen, desto mehr wird sich auch die Qualität unseres Lebens steigern.
Das Leben ist alles andere als leicht, wenn man schwach ist. Probleme existieren immer nur im Leben eines Menschen und nicht in der Welt. Die Welt kennt nur Umstände und die sind weder positiv noch negativ. Bewertet werden sie erst durch die Subjektivität unserer individuellen Existenz. Und je schwächer wir sind, desto mehr Probleme haben wir auch und desto niedriger ist auch die Qualität unseres Daseins. Schwäche ist schließlich nichts anderes, als die momentane Unfähigkeit, Hindernisse und Widerstände zu überwinden. Und Probleme sind doch genau das Gleiche, oder?
Wir können Probleme auch als Herausforderungen verstehen – ohne dass sich an den Umständen irgend etwas ändern müsste. Einzig und allein die Art unserer Perspektive bestimmt, was wir als Problem, was als Herausforderung und was als Kleinigkeit betrachten. Und wovon hängt unsere Perspektive ab – insofern sie realistisch sein soll?
Von dem Grad unserer Stärke: Erst Stärke lässt das Leben leicht erscheinen. Ich meine damit nicht geliehene Stärke durch Maschinen wie Waffen oder Autos, sondern eigene Stärke; die Stärke des Körpers und des Geistes.
Sehen wir die Angelegenheit aus diesem Blickwinkel, dann erhalten wir ein klareres Verständnis zum Thema 'Lebensqualität'; dann sehen wir, dass schöne und entspannte Lebensumstände überhaupt nicht dazu beitragen, wenn es darum geht, stark und somit problemlos zu leben. Vielmehr gilt: Wir müssen es uns schwer machen, damit wir es leicht haben. Das klingt vielleicht komisch und etwas absurd, ist aber nun einmal so: Widerstand macht stark.
Wir müssen somit lernen, den Weg des größtmöglichen Widerstandes einzuschlagen. 'Größtmöglich' bedeutet dabei so viel wie: Immer nur so groß, wie es der Entwicklung förderlich und nicht schädlich ist – so groß wie es uns nun einmal möglich ist und zwar nicht nur kurz-, sondern auch langfristig. Wahre Stärke definiert sich nämlich durch Beständigkeit.
Aus diesem Grund ist Nachhaltigkeit auch ein notwendiger Aspekt der Stärke: Wir dürfen unseren Körper und Geist immer nur soweit belasten, wie er dadurch auch für zukünftige, steigende Belastungen erhalten bleibt und sich auch daran gewöhnen kann. Nur so können wir dafür sorgen, dass uns Lasten langfristig entlasten und nicht belasten.
...ist eine sehr guter Zeitpunkt, um sich diese grundlegenden Gedankengänge unserer Lebensphilosophie noch einmal eingehend vor Augen zu führen. Oft genug und insbesondere im Zuge des voranschreitenden Jahres vergessen wir sie nämlich. Die gerade vergangenen Festtage boten dazu reichlichst Gelegenheit.
Mir ist es relativ egal, welche individuellen Ziele Du Dir für dieses Jahr setzt. Mir geht es vielmehr um das große Ganze, den Gesamtzusammenhang, um das tiefere Verständnis. Mach es Dir bewusst!
Gönn Dir dieses Jahr etwas mehr Lebensqualität. Gönn Dir etwas mehr Widerstand – viel mehr; so viel wie es Dir das Prinzip der Nachhaltigkeit ermöglicht. Sei stark, um noch stärker zu werden. Vertrau auf die Formel: Je mehr Widerstand, desto stärker das Leben.
Mache dieses Jahr zu Deinem Jahr. Ein Jahr ohne Kompromisse. Ein Jahr mit großen Erfolgen.
Ich wünsche Dir dabei alles Gute!
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Kommentare
Ausgezeichnet!
Wie immer hast du den Nagel auf den Kopf getroffen mit diesem Artikel. Ich kann mich mit jedem Wort was du niederschreibst identifizieren und es lohnt sich immer wieder deine Artikel durch zu lesen und sich die Inhalte noch mal bewusst zu machen.
Gruß Tobias Günther
toller Artikel
wie eigentlich immer
werde mir dein buch auch kaufen.
hab ich grad entscheiden aufgrund dieses textes.
Danke für ein Jahr guter
Danke für ein Jahr guter Artikel!
Ich habe nun dein Buch gelesen und dazu habe ich eine Frage.
Du schreibst, man soll einen Satz nicht mit Muskelversagen abschließen.
Du schreibst auch, man soll einen Satz so hart durchführen, dass man an seine Grenzen geht. Wenn ich mir Trainingsvideos von Schwarzenegger & Co. ansehe, weiß ich was gemeint ist.
Ist es allerdings nicht ein (scheinbarer?) Widerspruch zwischen Muskelversagen vermeiden <-> bis an die Grenzen gehen?
Vielleicht sind die termini nicht wirklich klar formuliert. Was heißt es bis an die Grenzen gehen? Wie unterscheidet man das vom Muskelversagen.
lg,
AG
Das kennt ja auch jeder der
Das kennt ja auch jeder der mal im Wiederholungsbereich von 1-4 ca trainiert hat, man bekommt das Gewicht nicht mehr bewegt, aber man hat auch keinen Pump und die Koordination ist auch kein Problem, ist halt eine andere Grenze. Welche mir eh viel besser gefällt als das "Übersäuern" oder so.
Muskelversagen (MV)
Prinzipiell kommt es immer auf den Kontext an, so wie er auch im jeweiligen Kapitel enthalten ist. Im Kapitel zum 1. Gebot bezieht sich z.B. das Vermeiden des MV explizit auf das vorgestellte Programm und im 8. Gebot wo es um die Nachhaltigkeit geht, habe ich darauf hingewiesen, dass es nachhaltiger und somit langfristig effektiver ist, regelmäßig nur bis zum Koordinationsversagen zu trainieren, denn Verletzungen und Probleme beginnen oft genau da, wo die saubere Technik endet.
Es kommt somit immer auf den Kontext des Buches an und im Training auf die Art und Weise, wie man die restlichen Trainingsparameter eingestellt hat und welche Ziele man verfolgt. Es gibt auch einige Umstände, bei denen MV sehr produktiv sein kann.
Außerdem bedeutet an die Grenze gehen nicht automatisch, bis zum Muskelversagen zu gehen. Es geht vielmehr um 100-prozentigen kompromisslosen Einsatz bei jeder einzigen Wiederholung, egal wie erschöpft man dabei ist oder nicht. Andere Leistungsportler gehen auch an ihre Grenzen, aber an ihr Muskelversagen gehen sie dabei nicht unbedingt.
MV ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um an bis an die Grenze zu gehen. Weitere sind z.B. Konzentration, Kontrolle, Koordination, Explosivität usw. usf. Krafttraining hat viel mehr zu bieten als nur MV.