Immer haben wir mit dem Kind weiter zu blicken und uns vorzustellen, wohin die Kraft, die wir am Werke sehen, das Kind wohl einmal tragen möge. Und wenn wir uns in die Seele des Kindes versetzen, wird uns klar, daß diese Kraftäußerungen nicht anders zu verstehen sind, als daß es sich in seinem Sinne zu einer endgültigen Anpassung an Gegenwart und Zukunft mehr oder weniger entschlossen hat. Die damit zusammenhängende Stimmungslage weist es nach verschiedenen Seiten. Die eine Seite zeigt sich als die des Optimismus, das Kind traut sich zu, die ihm erwachsenden Aufgaben auch glatt lösen zu können. Dann wird es in sich jene Charakterzüge entwickeln, die eben zu einem Menschen gehören, der seine Aufgaben für löslich hält. So entwickeln sich Mut, Offenheit, Verläßlichkeit, Fleiß u. dgl. Das Gegenteil hiervon sind die Züge des Pessimismus. Denkt man sich das Ziel eines Kindes, das sich die Fähigkeit zur Lösung seiner Aufgaben nicht zutraut, dann kann man sich vorstellen, wie es in der Seele eines solchen Kindes aussehen mag. Wir finden dort Zaghaftigkeit, Schüchternheit, Verschlossenheit, Mißtrauen und alle anderen Züge, mit denen der Schwache sich zu verteidigen sucht. Sein Ziel wird außerhalb der Grenzen des Erreichbaren, weit hinter der Front des Lebens liegen.
Diese Zeilen stammen aus der Feder des österreichischen Arztes und Psychotherapeuten Alfred Adler, der als Begründer der Individualpsychologie gilt. Er bannte sie für sein 1927 erscheinendes Werk Menschenkenntnis auf Papier und war – wie man sieht – stark von Sigmund Freuds Ideen geprägt.
Wir alle tragen die prägenden Erlebnisse unserer jüngsten Kindheit in uns, die unserem gesamten Leben ihren Stempel aufdrücken. Für die Optimisten unter uns, gleichen diese Erlebnisse einem Lichtstrahl, der uns immer voran strebt und die nächsten Schritte ausleuchtet. Er geleitet uns und verleiht uns Sicherheit. Wir sehen, wohin der Weg geht und brauchen ihm nur zu folgen. Unser Erfolg ist das Produkt unseres Optimismus. Er hält uns aufrecht und trägt uns voran.
Wer jedoch in früher Kindheit nicht gefordert, sondern überfordert wurde, wer in Widerständen nicht Chancen zu Wachstum und Entwicklung, sondern unüberwindliche Grenzen erblickte, wird sich zu einem Pessimisten entwickelt haben. Ihm fehlt die Hoffnung, die Orientierung nach vorne. Vor ihm ist es dunkel, stockfinster. Er weiß nicht, wie es weitergehen soll, wo er hin soll. Auch hinter ihm ist es dunkel. Er hat Angst und fühlt sich allein gelassen. Er fürchtet den nächsten Schritt. Er gleicht ihm einem Sprung in den Abgrund. Sein Pessimismus ist der große Schatten, der sich über sein gesamtes Leben ausgebreitet hat und jeden Funken Hoffnung im Keim erstickt. So bleibt er einfach stehen und weiß nicht ein noch aus. Tiefste Fragen bohren sich in die Verletzlichkeit seiner Seele: Was soll ich hier eigentlich? Was hat das alles für einen Sinn? Wo komm ich her, wo geh ich hin? Warum sollte ich überhaupt gehen?
Nur wenige Menschen sind wahre Optimisten. Viele halten sich dafür und noch mehr sind verkappte Pessimisten, die sich hinter einer mühsam aufgebauten Schutzschicht verbergen. Sie machen nur aus Selbstschutz auf Selbstbewusst; doch ihr Spiegel zeigt nicht, was sie sehen wollen. Sie wollen jemand anders sein. Jemand mit mehr Erfolg, Schönheit, besseren Freunden und größerer Anerkennung. Nur ganz wenige sind nackte Pessimisten, die auch bereits ihren Schutzpanzer verschrottet haben und sich eingestehen, dass es alles nichts mehr bringt. Was ihnen bleibt ist die Verzweiflung und das Meer tiefster Melancholie, von dem sie bereits vollends verschluckt worden sind.
Das soziale Auffangnetz unserer Gesellschaft arbeitet sehr intensiv daran, aus Pessimisten Optimisten zu machen – hauptsächlich, weil sich auch damit gut Geld verdienen lässt und weniger aus Altruismus. Kostspielige Psychotherapien oder Medikamente werden hier gemeinhin verordnet.
Sicherlich gibt es eine Menge Erfolge mit diesen Vorgehensweisen zu verzeichnen, aber mit erschreckender Regelmäßigkeit wenden sich stark pessimistische Menschen an mich, die ein anderes Bild zeichnen: Viele von ihnen nehmen bereits Medikamente, fühlen jedoch keinerlei Veränderung; oft nehmen sie diese auch nur, um die Erwartungshaltungen anderer ihnen nahe stehender Menschen zu erfüllen. Auch das Verhältnis zum Therapeuten oder der Therapeutin ist fast immer durchwachsen oder wird ebenfalls stark kritisch betrachtet. Man fühlt sich missverstanden und immer noch allein. Je mehr sich andere Menschen dabei einmischen und einem ihre Hilfe aufzwängen, umso mehr fühlt man sich von diesen diskriminiert und in eine Opferrolle gedrängt, die man eigentlich überhaupt nicht einnehmen wollte. Das Mitleid der anderen gleicht hier dem Kreuz, an das man hoffte, niemals genagelt zu werden.
Oft möchte man überhaupt nicht zu einem Seelenstriptease gezwungen und bis auf die heimlichsten Gefühle, Wünsche und Ängste zerpflückt werden wie ein Truthahn beim Erntedankfest. Man möchte sich nicht noch verletzlicher zeigen. Oft möchte man nur motiviert werden, wieder Kraft schöpfen, einen Lichtstrahl am Horizont erblicken und endlich einmal wieder den verlockenden Geschmack der Hoffnung kosten. Man möchte gestärkt werden, so wie eine zärtliche Pflanze in die Sonne gestellt und ausreichend gegossen werden möchte, und nicht seziert. Man bedarf der Unterstützung, einen mehr oder weniger starken Anstupser, der das liegen gebliebene Auto des Lebens wieder in Fahrt bringt und am Laufen erhält. Mit einem Satz: Man möchte seine Würde bewahren, denn diese sollte schließlich unantastbar sein – das ist doch Gesetz?!
Vorab soll klar sein, dass es normalerweise keines von beidem in vollkommen reinem Zustand gibt. Vielmehr halten Opti- und Pessimismus in jedem von uns einen andauernden Zweikampf. Auch der zuversichtlichste Mensch hat seine dunklen Momente, an denen der Zweifel erstarkt und auch jeder Pessimist hat immer noch einen Funken Hoffnung in sich, solange er sich noch nicht dazu entschlossen hat, die Freiheit des Todes zu wählen. Es gilt, diesen Funken anzufachen.
Einerseits kann man dies versuchen, indem man versucht, den Geist zu stärken, zu ordnen und zu befreien. Das gesamte 'Der Wille zur Kraft'-Projekt geht diesen Weg. Heute wollen wir uns jedoch einmal mit der entgegengesetzten Variante beschäftigen und uns folgende Frage vergegenwärtigen:
Inwiefern vermag progressives Krafttraining die mentale Komponente zu stärken und zu festigen?
Wer nämlich schon oft von Worten enttäuscht wurde, wer das eine gehört, versprochen und gepredigt bekam, aber genau das Gegenteil erhalten und erlebt hat, der verliert jegliches Vertrauen in einfache Worte. Das Wort, der Gedanke ist aber die Wurzel der mentalen Kraft. Wer sich von dieser jedoch verraten glaubt, wer keinem Wort, keinem Gedanken mehr öffnen mag, der wird sich durch rein geistige Vorhaltungen und Empfehlungen nicht mehr ausreichend positiv beeinflussen lassen. Alle guten Worte und Wünsche der Hoffnung werden hier wirkungslos abperlen, wie die Tropfen des Regens auf einem Lotusblatt. So muss man einen anderen, besseren Weg finden, um diese mentale Schwäche zu beheben.
Wo Worte allein nicht fruchten, muss der Körper sprechen. Bereits minimale körperliche Fortschritte können bei einem Pessimisten Wunder bewirken. Das wusste bereits Goethe: Was Du Dir abläufst auf dem Schuh, das fließt Dir geistig doppelt zu! Das Erlernen neuer Bewegungen setzt mannigfaltige Wachstumsprozesse im Gehirn in Gang. Indem man es schafft, einen relativ schweren Widerstand zu überwinden, erlebt man dabei etwas ganz Besonderes – nämlich Erfolg. Es sind diese kleinen Erfolge, die in Anhäufung aus einem Pessimisten einen Optimisten machen können. Das Wichtigste, was man einem zweifelnden Menschen vermitteln kann, ist die Einsicht, dass er etwas schaffen, etwas bewegen kann. Er muss lernen, dass er Macht hat über sich, sein Leben und seine Entwicklung. Grenzen sind selbstauferlegte Barrieren. Es muß nicht alles so bleiben, nur weil es immer so gewesen ist, schreibt Schwarzenegger in seiner Bibel zu diesem Thema. Es gibt viele Aspekte des Widerstandstrainings, die therapeutisch wirksam werden können.
Unsere Körperhaltung ist ein Spiegel unseres Gemütszustandes. Wenn wir müde oder niedergeschlagen sind, dann zeigt sich dies auch an der Art und Weise, wie wir unseren Körper halten und präsentieren. Andererseits kann unsere Körperhaltung aber auch Einfluss auf unsere Psyche nehmen. Probier es doch direkt einmal aus: Lass Dich erst einmal schlaff zusammensinken und fühle dabei, wie diese träge Körperhaltung Dich auch mental herunterzieht.
Und nun richte Dich bitte einmal so weit auf, wie es Dir möglich ist, nimm den Kopf hoch, drück die Brust raus, atme tief ein und spüre dabei, wie auf diese Weise auch Dein Geist erstarkt, sich öffnet und an Konzentration stärker wird. Wie er Biss bekommt und dazu bereit wird, mit den Mühen der Welt spielend fertig zu werden. Durch regelmäßiges und progressives Krafttraining wird sich auch automatisch unsere Körperhaltung verbessern und somit auch als Spiegel derselben unsere mentale Einstellung zur uns und der Welt.
Durch dynamische Muskelarbeit steigt die Durchblutung unseres Gehirns um bis zu 50% an. Das Gehirn erwacht zu neuem Leben. Es wächst, wird komplexer und entdeckt völlig neue Handlungs- und Wachstumsmöglichkeiten. Erst in den so überaus wertvollen Momenten, an denen ein Menschen seinen Körper ernsthaft und umfassend fordert, werden sein Geist und sein Gehirn auch wirklich fest mit seinem Körper zusammenwachsen. Dabei kann man einen wahren Glücksrausch erleben, wenn man spürt, wie im eigenen Körper das pure Leben zu pulsieren beginnt. Wenn man bisher unbekannte Körperteile spürt, wie sie sich bis zum Bersten mit warmem Blut füllen, das Hormonsystem anspringt und in einem der Gefühlsreichtum intensiven Lebens hochkocht, dann fühlt man sich wie im siebten Himmel. Eine Erektion ist etwas Tolles, aber eine Erektion am gesamten Körper kann bedeutend mehr – aber das muss man selbst erleben.
Ein Mensch, der nur einige wenige Körperteile bei einer beschränkten Sportart benutzt oder sogar nur den Geist und dafür den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, kann und wird so etwas niemals erleben. Er wird völlig den Bezug zu seinen biologischen Wurzeln, zu seinem Körper verlieren und all sein Potenzial nie erkennen – dazu verdammt, ein schwächliches Leben zu führen. Psychologisch betrachtet ist solch ein verbessertes Körpergefühl Gold wert. Es verbessert die eigene Selbstsicherheit ungemein, wie bereits Mrazek und Rittner in ihrem Artikel Wunschobjekt Körper festgehalten haben. (in 'Psychologie Heute' 1986; 13: 62-68)
E.W. Martinsen beschäftigte sich eingehend mit den Möglichkeiten progressiven Widerstandstrainings zur Therapie bei depressiv Kranken. (vgl. 'Benefits of exercise for the treatment of depression.' Sports Med 1990 & 'Physical training as a therapeutic method in depression.' Tidsskr nor Laegeforen 1989)
Die untersuchten Angstpatienten einer psychatrischen Klinik erlebten nach einem 8-monatigen Krafttraining bedeutende Verbesserungen ihrer Situation, die durch die normalen Therapiemöglichkeiten so nicht erreicht worden waren. Weit über die Hälfte führten nach Beendigung der Studie ihr Krafttraining freiwillig fort. Das muss man sich einmal vorstellen: Dass die 'Probanden' einer Studie so überzeugt von den darin getesteten Methoden sind, dass sie diese auch weiterhin beibehalten, ist überaus selten und bei stark depressiven Patienten noch einmal bedeutend seltener. Die wenigsten von ihnen würden sicherlich auch weiterhin eine medikamentöse Behandlung fortführen, wenn man sie frei darüber entscheiden ließe. Man muss diesen Menschen etwas bieten, worauf sie sich freuen können, etwas, was ihnen Spaß macht und keine negativen Nebenwirkungen hat – etwas wie progressives Krafttraining und nicht einfach nur Tabletten und Gespräche.
Es bringt nichts, Pessimisten einfach nur einzureden, dass sie an sich glauben sollen und das die Welt kunterbunt und schön sei. Derartige Vorgehensweisen allein sind nutzlos. Der Patient selbst erlebt die Welt nämlich völlig anders und ihm klarzumachen, dass diese, seine Sicht eine Lüge sei, wird nichts bringen, denn aus seiner Sicht stimmt diese Perspektive.
Wie soll er denn auch an seine Fähigkeiten und Stärken glauben, wenn er ihr Potenzial nie wirklich gespürt hat? Erst das Erbringen eigener und realer Leistungen wird auch wahren Glauben an sich selbst und das eigene Potenzial entfachen. Worte alleine zählen hier nicht. Sie verändern nichts. Taten sind gefragt, denn Taten lügen nicht – Worte schon.
Progressives Krafttraining ist nicht nur die beste Schmiede für einen starken, gesunden und schönen Körper, sondern auch eine der bestmöglichen Charakterschulen, die ein Mensch nur besuchen kann. Disziplin, Konzentration, Beharrlichkeit usw.: All diese Charaktereigenschaften werden durch die gewollte und gezielte Konfrontation mit den eigenen Schwächen und der erfolgreichen Überwindung dieser gestärkt und ausgebildet.
Krafttraining ist eine Schule für das ganze Leben. Eine Schule die jeder besuchen sollte. Eine Institution, in der niemand betrogen oder vernachlässigt wird, in der jeder erfolgreich sein wird. Selbstachtung, Selbstbewusstsein und Lebensfreude wachsen durch die Erfolge im Training dramatisch an. Man wird immer stärker, immer größer, schöner und erfüllter. Man fühlt sich immer sicherer, lernt es Fehltritte zu verkraften und die in scheinbaren Mauern und Schranken verborgenen Herausforderungen zu erkennen. So beginnt das Leben Spaß zu machen. Indem man lernt, im Training die eigenen Schwächen zu überwinden, legt man auch den Grundstein für die Überwindung des eigenen Pessimismus.
Widerstandstraining verlangt einem unheimlich viel ab, aber es lohnt sich, denn unter dem Strich erhält man dafür bedeutend mehr zurück.
Krafttraining verändert die Menschen – jeden einzelnen – und zwar zum Positiven. Und das alles nach einem ganz simplen Muster: Widerstand + Überwindung = Erfolg/Wachstum/Entwicklung/Stärke/Gesundheit/Sicherheit usw. So beginnt das Leben immer vielseitiger, stabiler und erfreulicher zu werden. Zusehends wird man lernen, dieses Schema auf das gesamte Leben zu übertragen, das Kleine im Großen zu sehen, um schlussendlich die Leichtigkeit des Seins zu entdecken.
Außerdem lernt man Realist zu sein. Man lernt, dass manche Zielvorstellungen für den Moment illusorisch sein mögen und dass man immer Schritt für Schritt vorgehen muss und das man auch nur dann durch Erfolg belohnt wird, wenn man alles richtig macht und auch wirklich bereit ist, ernsthaft für den eigenen Erfolg zu kämpfen. Man lernt, dass man nichts geschenkt bekommt und dass auch nur das wirklich erfüllend ist, was man sich hart erkämpft, dass dieser notwendige Kampf kein Übel ist, sondern vielmehr ein Quell von Freude, Entwicklung und Wachstum.
Auch geht es darum, endlich einmal zu entdecken, dass nicht andere oder die Umstände für das eigene Versagen verantwortlich sind, sondern immer nur man selbst. Entweder indem man die Zügel schleifen oder sie sich sogar ganz aus der Hand nehmen ließ. Im Training hat man selbst die Verantwortung und zwar zu 100 %. Dies gilt es auch für das gesamte Leben zu lernen: Beherrsche die Umstände, beherrsche Dich selbst – erst dann wirst Du auch Deine Entwicklung im Griff haben.
Schließen möchte ich mit einer Passage aus Arnies Bibel:
Noch offenkundiger wird der Nutzen des Trainings bei behinderten Sportlern. Ich erinnere mich noch gut an meine Arbeit mit Jugendlichen in Washington, D.C. Einer der Jungen lag auf einer Trainingsbank, bereit zum Bankdrücken, andere warteten in der Schlange, bis sie an die Reihe kamen. Ich reichte ihm nur die Stange ohne Scheiben, und er geriet völlig außer sich – die Anstrengung war größer, als er es gewohnt war oder erwartet hatte. Ich drängte ihn nicht, sondern ließ ihn weggehen und macht mit den anderen Jungen weiter. Nach ein paar Minuten sah ich, wie er langsam näher rückte und die anderen aufmerksam beobachtete. Schließlich gab er zu verstehen, daß er es erneut versuchen wollte, und ich half ihm, die Stange drei- oder viermal hochzudrücken, aber er hatte immer noch Angst und stieg schnell wieder von der Bank herunter. Es dauerte allerdings nicht lange, bis er wiederkam, diesmal mit mehr Selbstvertrauen, und nun schaffte er mit sehr wenig Unterstützung zehn Wiederholungen.
Von dem Moment an hatte es ihn gepackt. Er reihte sich nicht nur in die Schlange der Wartenden ein, sondern versuchte sogar, sich vorzudrängen, um schneller an die Reihe zu kommen. In einer Welt, die so viele Frustrationen und Enttäuschungen für ihn bereithielt, hatte dieser Junge etwas gefunden, an dem er seine Kraft messen konnte, eine physische Barriere, die sich überwinden ließ, und das schenkte ihm Selbstvertrauen, wie es ihm normalerweise versagt war.
Wir sind alle ein bißchen wie dieser Junge. Unsere Bedürfnisse sind aufgrund ausreichender Fähigkeiten nicht immer so offensichtlich, aber wir haben sie. Wir stoßen alle an Grenzen, müssen mit Frustrationen und Enttäuschungen fertig werden, und die meisten von uns erkennen auch, daß nur sehr wenige Menschen das physische Potential, das dem menschlichen Körper evolutionsbedingt innewohnt, je wirklich voll ausschöpfen. Doch Geist und Körper sind miteinander verknüpft, sind zwei Aspekte des gleichen Organismus. Mit der Gesundheit des Körpers verbessert sich auch die Kraft und Gesundheit des Geistes, und Bodybuilding ist das ideale Mittel, um dieses notwendige Gleichgewicht zu erlangen.
Amen!
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Kommentare
Einmal mehr sehr interessant
Einmal mehr sehr interessant und motivierend.
Buch ist bestellt (bin gespannt),
Grüsse aus der Schweiz
M.
Chapeau!
Sehr schöner Artikel.
Der Zeitpunkt auch perfekt getroffen wo sich allmählich die bekannte alljährliche Winterdepression bei den Leuten einschleicht.
Dass man die Methodik des Trainings auf andere Lebensbereiche anwenden kann ist vielen garnicht bewusst. Viele Menschen, besonders jene die mit dem Sport nichts zu tun haben, halten es einfach für sinnlose Aufpumperei um in der Disco besser abzuschleppen. Anfangs dachte ich auch einfach nur daran einen Mens-Health-Body aufzubauen. Nach einiger Zeit lernt man, dass man von heute auf morgen nicht gleich Mr.O wird. Wie in der Fabel vom Frosch und dem Hasen muss man Kontinuität an den Tag legen. Auch habe ich gelernt, dass man bewusst bei der Sache sein muss - halbe Sachen wirken einfach nicht! Entweder ganz oder garnicht. Das hast du sehr schön beschrieben.
Als ich vor einem Jahr ca. mit dem Training begann war ich auch total unsicher und hatte mir selbst viele Probleme wegen meines Körpers eingeredet - mir war nicht bewusst, dass all jenes im Kopf entspringt und die Welt genauso ist wie man sie selbst durch die eigenen Filter wahrnimmt! (NLP und PU lässt grüßen, Self-Improvement boomt wie keine andere Branche).
Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich zwar körperlich selbstbewusster fühle aber im sozialen Bereich trotzdem noch jeden Widerstand und die damit verbundene Mühe des Überwindens meide.
Warum? Die Gewichte können einen ja nicht verletzen (auf der mentalen Ebene zumindest nicht :D). Menschen schon! Wenn man im sozialen Bereich etwas wagt, dann ist das Risiko einfach ungemein höher als wenn ich einfach mal nicht 150% des Körpergewichts hebe - das erstere wirkt fatal nach, beim zweiten passiert garnichts (außer dass man die Langhantel einfach fallen lässt).
Das wichtigste ist einfach, wie du sagst, dass man Dinge überhaupt einmal anpackt und sich nicht in Theorien verirrt.
Weil wir schon bei Goethe sind will ich auch ein Zitat anbringen:
"Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum."
(Mephistopheles zu Dr. Faust; aus Faust: die Tragödie Teil I)
PS: Welches Buch meinst du mit Arnies "Bibel"?
Bedeutung; Bibel
Hallo og,
danke für Deinen Kommentar.
In einem Punkt möchte ich Dir jedoch gerne meine Sicht der Dinge näher bringen - nämlich in dem Punkt der Selbstsicherheit und Autonomie.
Dinge und Erlebnisse haben schlussendlich immer nur die Bedeutungen, die man ihnen selbst verleiht. In diesem Sinne kann man es auch so sehen, dass einen andere Menschen mental überhaupt nicht verletzen können - man kann sich nur verletzen lassen.
Getreu dem alten Motto: Was scherts die deutsche Eiche, wenn sich die Wildsau dran schubbert?
Ob man somit verletzt wird oder nicht, ist eine Frage der persönlichen Einstellung. Mir hat es immer geholfen, zu versuchen, mich von der persönlichen, abwertenden Note anderer Menschen mir gegenüber nicht beeindrucken zu lassen, aber die evtl. zutreffenden Punkte in ihren Schmähungen/Kritiken ernst zu nehmen. im Prinzip war ich sogar immer dankbar für solche 'offenen' Worte, da sie einem auch oft die eigenen Schwachstellen aufzeigen, die man selbst nicht sieht.
Ein derartiger Prozess, indem man sich solange durch die Verletzungen und Kritiken der Mitmenschen kämpft, bis sie rapide nachlassen, scheint mir unerlässlich zu sein, um sich auch auf dem sozialen Parkett weiterzuentwickeln.
Du darfst derartige 'Angriffe' somit einfach nicht als etwas Negatives auffassen. Vielmehr ist dies der beste Weg, um Deine Schwächen zu erkennen und sie zu Stärken zu machen. Soziale Kritik ist etwas überhaus Positives - egal, wie hart oder persönlich sie ausfallen mag. Ich bin immer dankbar für jede einzelne Kritik. Wenn sie einen wahren Kern enthält, bringt sie mich voran. Wenn sie haltlos ist, dann gibt es ja auch nichts, was man daran ernst nehmen sollte und kann getrost einen auf deutsche Eiche machen.
Du musst lernen, in allen Widerständen das Potenzial zur Entwicklung zu sehen - nicht nur in denen in Hantelform ;)
lg z..
PS.: Die Bibel von Arnie ist sein großes Bodybuilding-Buch. Es hat absoluten Kultstatus und ist überaus umfassend und sehr lesenswert.
Epiktet
"Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen,
sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben." (Zitat: Epiktet)
Toller Text! Ich freu mich auf das Buch!