Gedanken zum Natural-Bodybuilding (v. Frank-Holger Acker)

Bodybuilding und Steroide, die beiden Wörter scheinen so sehr von ihrer Bedeutung her verbunden zu sein wie Alkohol und der Rausch. Doch nicht nur die findigen Braukünstler aus Frankfurt am Main wollten das unmögliche möglich machen und so neue Märkte erschließen. Auch einzelne Vertreter des Wettkampf-Bodybuildings bemühen sich eine vermeintliche Lücke zu schließen und wollen dabei wie das alkoholfreie Ebenbild keinesfalls der spaßlose Sonderling sein, sondern vielmehr einen Bedarf decken.

Bodybuilding und Natural, das klingt wie Grillen und Tofuwürstchen und wirkt auf viele Szeneangehörige so sexy, wie Bruce Willis beim Bier schlürfen.

Doch wie natural muss ein Natural-Bodybuilder sein?

Würde man Lieschen Müller fragen, wären wohl bereits das ominöse Kreatin und die zahlreichen Proteinpulver alles, nur nicht natürlich. Die German Natural Bodybuilding Federation, kurz GNBF, geht das Thema deutlich pragmatischer an und bezieht sich auf eine umfangreiche Liste, die alle Methoden und Mittel der WADA ebenfalls beeinhaltet.

Grenzen von gestern als Zwischenstationen von heute

Vor gut 50 Jahren galten 50 Meter für Apnoe-Taucher als magische Grenze, heute stellen 100 Meter für die Elite kein Problem mehr da. 23 Meter revolutionierten das Kugelstoßen, 200 Meter das Skispringen.

Der menschliche Körper ist zu mehr zu leisten im Stande als der Einzelne vielleicht für möglich hält. Und die eigenen Grenzen sollten nicht mit einem eigenen absoluten Maßstab verwechselt werden.

Jeder der bereits ein paar Jahre in dem ein oder anderen Krafttempel Stunden seines Lebens verbrachte, wird den Typen kennen, der soviel Kraft wie Sasquatsch hat, aber auch so viel Körperbehaarung. Oder den Russen, der beim Bankdrücken Gewichte bewegt, die auf einer Deutschen Meisterschaft in seiner Gewichtsklasse konkurrenzlos wären. Wir alle kennen diese Typen und kriegen von ihnen immer mal wieder zu hören: Von Eiweiß-Pulver halten sie nichts, geschweige denn von Steroiden und die Teilnahme an Wettkämpfen wäre für sie so attraktiv wie die meisten weiblichen Wettkampfbodybuilderinnen in Bühnenform für heterosexuelle Männer.

Aber sie zeigen uns, dass es Grenzen gibt, die nur für uns gelten. ...solange wir an die Eiweiß-Geschichten glauben.

Doch...

wir wollen und dürfen glauben. Jeder an seine eigene Sache: Dass das eigene Idol tatsächlich den letzten Leistungssprung durch die Produkte des neuen Sponsors und dessen bunte Dosen geschafft hätte. Dass der dicke Bauch von großen Nahrungsmengen stammt, die den Magen wie einen Gummiballon im Inneren aufquellen lassen würden. Oder dass Lügendetektortests und Urin-Proben tatsächlich ein Garant für totale Natürlichkeit darstellen.

Haferflocken und Putenbrust, that's what it's all about.

Doch nicht nur die Fans wollen glauben, auch die Verantwortlichen tun es gerne oder träumen zumindest. Wettkampf-Bodybuilding versucht seit Jahren salonfähig zu werden. Als teilnehmende Sportart der Golden Games sehnen einige kühn den olympischen Ritterschlag herbei.

Warum sollten sie auch nicht?

Powerlifting strebt denselben Weg an, Gewichtheben lebt den Traum und auch die jamaikanische Leichtathletikmannschaft darf bei Olympia Rekordmarken setzen. Warum nicht also auch Bodybuilding?

Dass Doping längst nicht nur mit übermäßig großen Muskel zu assoziieren ist, weiß spätestens seit der Tour de France nicht nur der deutsche Michel. Bodybuilding hat nur das Problem der Offensichtlichkeit. Bodybuilding ist der lallende Alkoholiker, dem man in Zeiten der Prohibition nicht glaubt, dass er clean ist, selbst wenn er öffentlich mit aller Disziplin ein paar klare Worte herausbekommt. Seine Worte werden immer einen bitteren Beigeschmack bei seinen Zuhörern hinterlassen.

Ob...

das unter dem mechanischen Eid bekennend natürliche Bodybuilding die Lösung darstellt, darf bezweifelt werden. Für welches Problem auch? Bodybuilding ist eine kleine Szene. Eine Randerscheinung der Gesellschaft, welche sie selbst in den sogenannten goldenen Zeit immer war, was nüchtern und ohne Verbitterung festzustellen ist.

Braucht das Kuriosum Bodybuilding nun also eine weitere Wunderkammer? Die Antwort scheint positiv zu sein: Die DM der GNBF wird dieses Jahr so viele Starter wie nie zuvor vorweisen und man darf gespannt sein, ob das magere Spektakel in Zukunft der Gemeinde genauso bekommt, wie das bisher gewohnte Beef.

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CZ: Besten Dank an Franky für den kritischen Beitrag. Er ist selbst Natural-Athlet, auch schon bei diversen Wettkämpfen gestartet und Kenner der Szene. Natural-Bodybuilding scheint sich in Deutschland auf einem aufsteigenden Ast zu befinden. Übertriebene Massemonster, die klare Maskottchen der pharmazeutischen Lobby sind, verlieren an Akzeptanz. Aber wo Wettkämpfe entstehen, da findet sich stets auch Lug und Trug ein. Wer ist wirklich natural? Lässt sich erstmalig in der Geschichte des Sport ein ehrenhaftes und ehrliches Wettkampfgeschehen etablieren? Wie wird sich das Natural-Bodybuilding in Europa entwickeln?

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Bilderquelle: andercismo