Functional Training – nur ein Modewort?
Ja, vielleicht. Sicher ist jedoch, dass kein Sportler an den dahinter stehenden Prinzipien vorbeikommen wird, wenn er leistungsorientiert und somit verletzungsfrei trainieren will.
Michael Boyle ist Vorreiter des Funktionalen Trainings. Seit vielen Jahren arbeitet er an seinem Trainingskonzept und betreut erfolgreiche Leistungssportler in Amerika. Sowohl die Theorie als auch seine Erfolge geben ihm Recht.
Viele Trainer, definieren ihr Vorgehen über Spitzenleistungen (um jeden Preis), ausgefallene Übungen und komplizierte Trainingsroutinen. Boyle ist da anders. Er ist pragmatischer und erfahrener. Man möchte fast sagen: weiser.
„Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Kraftprogramm ist das Reduzieren von Verletzungen.“
Seine Erfahrung hat ihn bescheiden werden lassen und ihm bewusst gemacht, dass natürlich immer noch am längsten währt. Das zeichnet ihn aus und führt zu Spitzenleistungen am laufenden Band bei gleichzeitig hervorstechender Verletzungsarmut seiner Athleten. Es lohnt sich, ihm zuzuhören bzw. seine Schriften zu lesen. Zwei davon möchte ich heute vorstellen:
Dieses Buch ist ein solides Fundament zur funktionalen Trainingsplanung. Wenn man es liest, fühlt man sich so, als würde man von einem jungen, kompetenten Trainer beraten werden. Er vermag den Fokus auf die Anforderungen individueller Sportarten zu legen und weiß, worauf es bei jedem Athleten ankommt:
Stabilität im Rumpf, starke Gelenke, realitätsgetreue Belastungen, Schnellkraft und Explosivität.
Im Zuge von 12 Kapiteln befasst er sich eingehend mit diesen Aspekten und gibt dem Leser regelmäßig praktische Ratschläge und auch vollständige Trainingsprogramme an die Hand. Die einzelnen Übungen sind verständlich beschrieben und durch entsprechende Bilder verdeutlicht.
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Fortschritte im Functional Training: Neue Trainingstechniken für Trainer und Athleten
Eine Fortsetzung? Na ob das nicht nur ein Auffrischen des gleichen Inhalts mit anderen Worten ist? Ich war skeptisch. Aber bereits nach ein paar Seiten wurde klar, dass dieses Werk sich auf einem ganz anderen Niveau befindet als sein Vorgänger.
Tatsächlich gibt es noch Trainer, denen das kritische Überprüfen und beständige Verbessern der eigenen Trainingsprinzipien wichtiger ist als sich selbst darzustellen und um jeden Preis Recht zu behalten. Indem der Riva-Verlag dieses Buch auch den deutschen Lesern zugänglich macht, hat er ein gutes Werk vollbracht.

Boyle spricht in diesem Buch eher wie ein erfahrener Mentor mit dem Leser, indem er auf viele Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten Trainingsjahre zurückblickt, Fehler eingesteht und klar hervorhebt, worauf es wirklich ankommt beim Funktionalen Training. Das alles vermittelt er einem auf gleicher Augenhöhe – wie einem guten Freund.
Das Buch liest sich angenehm. Man wird dabei viel lernen oder zumindest wieder zurück auf den Boden der Tatsachen geholt.
Der menschliche Körper ist ein äußerst komplexes Netzwerk verschiedener ineinander verflochtener Strukturen und Prozesse. Sein natürliches Potenzial lässt sich nur entfalten, indem man sich an natürlichen Belastungsformen und Bewegungen orientiert. Alles andere führt zu Dysbalancen und Verletzungen.
Bilaterales Training mit Langhanteln, bei dem beiden Körperhälften gleichmäßig belastet werden, oder gar geführtes Training in Maschinen sind im Prinzip unnatürlich. Je mehr man sich auf sie beschränkt, desto mehr Probleme wird man sich damit auch einbrocken. Früher oder später wird der Körper zu bocken anfangen, da die Verhältnisse aus dem Ruder geraten.
Boyle beschreibt in seinem Buch systematisch, wie die verschiedenen Gelenke des Körpers funktionieren und wie Verletzungen bzw. Dysbalancen entstehen. Sind diese nicht genetisch bedingt, sind sie fast immer auf falsches Training zurückzuführen UND lassen sich somit durch besseres und intelligenteres Training vermeiden. Selbst Bodybuilder, Powerlifter und Gewichtheber sollten diese Lektion lernen – entweder durch Schmerzen oder durch Mitdenken.
Das Buch unterteilt sich in folgende Hauptkapitel:
1. Überblick und allgemeine Betrachtung des funktionellen Trainings
2. Mobilität und Flexibilität
3. Verletzungen
4. Der Rumpf
5. Die Hüfte
6. Das Herz-Kreislauf-Training
7. Athletiktraining
8. Trainingsgeräte
9. Die Übungsformen: Grundlagen und einbeiniges Training
10. Die Zusammenstellung von Trainingsprogrammen
11. Beispielprogramme
12. Schluss
Rückenschmerzen, Schulterprobleme, Mobilitäts- und Flexibilitäts-Einschränkungen... Das sind für jeden Kraftsportler bekannte Phänomene. Boyle erklärt, wo sie herkommen und wie sie sich beheben lassen. Ein Werk, das seinen Platz auf dem Büchermarkt redlich verdient hat.
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