Wann hast Du zuletzt Deine Frau gedrückt?Etwas Schweres vom Boden hochzuheben und es über den Kopf zu drücken, war schon immer der Kraftbeweis schlechthin. Schließlich sind exakt bei diesem Vorgehen am meisten Muskeln aktiv – und nicht nur unterstützend – am Kampf gegen den Widerstand des Gewichtes beteiligt und einzelne Schwächen des Gesamtsystems äußern sich immer gnadenlos in der Gesamtschwäche des einzelnen Schwerathleten.
Eine komplexe Bewegung ist immer nur so stark, wie der schwächste an der Bewegung beteiligte Muskel.
Das Überkopfdrücken, was klassischerweise nur als "Drücken" bezeichnet wird, stammt aus einer Zeit des Gewichttrainings, in dem die Gerätschaften noch simpel und eine konsequente Trainingseinstellung selbstverständlich war. Es verkörpert das Herzstück des Trainings eines jeden Athleten, der einen möglichst starken Körper aufbauen möchte. Für einen gestandenen Oldtimer des Kraftsports gibt es nur ein richtiges Verständnis für die Frage: "Und was drückst Du so?"
Für ihn ist damit selbstverständlich das Drücken über Kopf gemeint. Schließlich ist auch nur dies ein adäquater Maßstab für die Gesamtkraft des Körpers, wohingegen das Drücken auf der Bank einen viel geringeren Anteil der Muskulatur des Körpers beansprucht. Je weiter sich die Hantel vom Boden entfernt, desto schwieriger wird es nun einmal, sie auch zu beherrschen.
Das Überkopfdrücken wurde in den letzten Jahrzehnten zu unrecht vom Bankdrücken verdrängt. Dies hat zwar triftige Gründe, aber keiner von ihnen zieht, wenn es um den Aufbau eines möglichst starken und muskulösen Körpers geht. Ist korrektes Bankdrücken schon eine Kunst für sich, gibt es beim Drücken über Kopf noch einiges mehr, was zu beachten ist.
Bis zu den Olympischen Spielen von 1972 war das Drücken über Kopf eine der damals drei Disziplin beim Gewichtheben, von denen heute nur noch zwei (nämlich Reißen und Stoßen) übrig geblieben sind. Zwei Gründe waren bestimmend, für die Entscheidung, das Drücken zu streichen:
1. Die Möglichkeit durch Schwungholen oder verstärkte Rücklage zu schummeln führte zu unfairen Wettkampfbedingungen sowie Kampfrichterentscheidungen und war nebenher gesagt auch nicht gerade der Gesundheit des Schwerathleten förderlich.
2. Die für Gewichtheber gewohnte Pressatmung die beim schnellen Reißen und Stoßen angewendet wird, führte beim langsameren und schwungfreien Drücken regelmäßig zur Bewusstlosigkeit und den darauf zwangsläufig folgenden Unfällen.
Aus diesen beiden Punkten können wir für unser Training zwei überaus wichtige Lehren ziehen:
1. Auch wenn es uns um ein möglichst hohes Gewicht geht, bleibt dieses dennoch immer sekundär. Primär ist eine korrekte, schwungfreie Technik und Körperhaltung (der Sonderfall des Schwungdrückens wird später noch behandelt). Wir trainieren nicht für ein möglichst hohes Gewicht auf Kosten des Körpers, sondern für seine Vervollkommnung und die Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit. Das ist ein Riesenunterschied. Erkenne ihn rechtzeitig. Training ist kein Wettkampf, bei dem evtl. Leistung über Gesundheit stehen würde.
2. Pressatmung sollte beherrscht werden und wenn sie überhaupt eingesetzt wird, dann auch nur im richtigen Maß. Auch hier geht die Gesundheit vor und unser Motto ist dabei: Lieber rechtzeitig Luft holen und das Gewicht nicht drücken können, anstatt darunter begraben zu werden.
Genauer betrachtet geht es bei der Pressatmung um das sog. Valsalva-Manöver, bei dem vor der Wiederholung tief Luft geholt wird. Diese wird dann während der Bewegung gegen die geschlossene Stimmritze gedrückt, wodurch ein hoher Druck im Bauch- und Brustbereich entsteht, der die Wirbelsäule stabilisiert. Diese gezielte Form der Pressatmung hat somit auch Vorteile. Sie hat jedoch auch eine Menge Nachteile. Der entstehende Druck wirkt sich natürlich auch belastend auf die Durchblutung aus, wodurch es z.B. zu Bewusstlosigkeit kommen kann. Wer bereits entsprechende Durchblutungsstörungen oder Herzprobleme hat, sollte somit von Anfang an auf diese Atemtechnik verzichten. Für alle anderen ist sie jedoch auch eine Möglichkeit, um noch mehr Stabilität und somit Leistung in der Bewegung zu ermöglichen.
Aus diesen Gründen (schwierigere Technik, höhere Verletzungsgefahr) wurde das Drücken für den Massensport der Fitnessindustrie durch das Bankdrücken ersetzt. Es ist nicht nur einfacher zu erlernen, sondern auch weniger gefährlich. Den meisten Fitnesskonzepten, Ratgebern und Trainern von der Stange geht es meistens ja auch nur um ein möglichst einfaches und gesundes Training. Leistung ist dabei für viele ein Fremdwort. Wenn wir uns jedoch immer die beiden soeben aus der Geschichte gezogenen Lehren vor Augen halten, haben diese Vorwände keine Hebelwirkung mehr auf unsere Trainingsplanung; dann steht uns nichts mehr im Weg für diese überaus wertvolle Übung.
Der wichtigste Maßstab für die Beanspruchung des Körpers und gleichzeitig das Adelsprädikat des Drückens ist die sog. 'kinetische Kette'. Diese bezieht sich auf die Teile des Körpers, die bei der Übertragung von Kraft verwendet werden. Beim Drücken übertragen wir die Kraft unseres Körpers gegen den Boden unter unseren Füßen auf die Hantel über unserem Kopf.
In diesem Sinne umfasst die Bewegung des Drückens die längste einem Menschen nur mögliche kinetische Kette und das ist auch das Besondere an dieser Übung.
Alle Muskeln von den Füßen bis hinauf zu den Händen sind auf die eine oder andere Weise an diesem Kraftakt beteiligt, was sicherlich jeder zu bestätigen weiß, der entsprechend hohe Gewichte – die erst ab dem eigenen Körpergewicht beginnen – zu drücken vermag. Durch die gestreckten Arme verlängert sich der Hebel enorm, mit dem die Kraft der Schwere auf unseren Bewegungsapparat wirkt. Bei korrektem Drücken im Stehen sind nämlich nicht nur der vordere Delta sowie Brust und Trizeps involviert. Es ist vielmehr eine Ganzkörperübung, die seines Gleiche sucht und insbesondere ein starkes Körperzentrum fordert und fördert:
Wer sich dafür interessiert, kann den vollständigen Artikel beim Team-Andro weiterlesen.