Die beste aller Übungen und doch neu?!

Diejenige Übung ist die beste, die am meisten Muskeln aktiv zu beanspruchen vermag. Je mehr Muskeln nämlich während einer fortlaufenden Bewegung an eben dieser beteiligt sind, desto stärker sind sie auch insgesamt. Ihre Kräfte addieren sich dabei nicht, sie potenzieren sich. Gemeinsam sind Muskeln stärker als alleine. Das ist der Effekt der Hyper-Irradiation. Wenn wir ihn zu nutzen wissen, können wir schwerere Gewichte verwenden und dadurch wiederum größere Wachstumsreize setzen, indem wir die einzelnen Muskeln im Verbund schwerer zu belasten vermögen, als es isoliert möglich wäre.

Übungen wie Kniebeugen oder Kreuzheben liegen hier schon ganz weit vorne, aber wenn wir ehrlich sind, werden viele bedeutende Muskeln (insbesondere die des Oberkörpers) dabei nicht aktiv sondern nur statisch beansprucht. Um hier Abhilfe zu schaffen habe ich mir schon länger darüber Gedanken gemacht, welche Übung wohl noch besser für die umfassende Belastung des gesamten Körpers wäre als diese beiden.

Es müsste eine Übung sein, die all die Bewegungen des Hebens, Beugens, Ziehens und Drückens vereint. Eine Übung, in der alle bedeutenden Muskeln aktiv an der Handlung beteiligt wären. Eine solche Übung wäre das Fundament eines jeden Trainings, welches darauf ausgerichtet ist, die maximale Funktionalität des eigenen Körpers zu erreichen. Sie wäre die Übung aller Übungen; die Übung, die man ohne Umschweife wählen würde, wenn man nur eine einzige ausführen dürfte.

Eine solche Übung gibt es nicht? Ja, vielleicht... Vielleicht kann man sich ihr aber annähern.

Umsetzen und Drücken – das Vorbild

Hier kommen wir dem Ideal schon sehr nahe. Was gibt es schließlich für einen natürlicheren Kraftbeweis, als etwas Schweres vom Boden aufzuheben, es umzusetzen und es dann über den Kopf zu drücken?

Im Training handelt es sich jedoch weniger um eine Übung als vielmehr um eine Kombination von Übungen. Zwischen dem Umsetzen der Hantel und dem anschließende Drücken liegt eine Unterbrechung in der Bewegung und somit auch in der Gesamtfunktionalität derselben. Aber mit einer geringen Modifikation der Ausführung lässt sich dieses kleine Manko umgehen: Man muss die Hantel in einer einzigen flüssigen Bewegung vom Boden über den Kopf bewegen.

Auf diese Weise erhalten wir die längstmögliche kinetische Kette, die unserem Körper möglich ist. Wir übertragen die Kraft vom Boden, auf dem wir trainieren, bis hin zur Hantelstange auf den gestreckten Armen über unserem Kopf.

Im Zuge dieser Bewegung sind fast all unsere Muskeln aktiv an der Bewegung beteiligt. Zu Anfang heben wir die Hantel vom Boden hoch und alle Muskeln, die auch beim Kreuzheben dabei sind, werden hier ebenfalls gefordert. Neben der gesamten Beinmuskulatur und der unteren Rückenmuskulatur arbeiten hier hauptsächlich die Trapezmuskeln aktiv mit.

Sobald die Stange unser Becken passiert hat, gleicht unsere Bewegung der des aufrechten Ruderns und der Trapezmuskel wird vom seitlichen Delta sowie Bizeps und Armbeuger aktiv unterstützt.

Kommt die Stange in die Höhe des Schultergürtels, leiten wir die Umsetzbewegung ein und drücken sie nun ohne Unterbrechung über den eigenen Kopf. Dabei werden nun auch noch der vordere Delta, die obere Brust und der Trizeps aktiv ins Geschehen miteinbezogen.

Eine solche Ausführung gleicht ein wenig der des Standreißens im Gewichtheben, nur mit dem Unterschied, dass hier bewusst eine aktive Ruder- und Drückbewegung verwendet wird.

Die Geschwindigkeit

Was wir jedoch aus dem Gewichtheben beibehalten sollten, ist eine möglichst schnelle Übungsausführung bei gleichzeitig möglichst korrekter Technik. Je schneller man ein hohes Gewicht bewegt, desto mehr und desto größere motorische Einheiten werden dabei im Muskel aktiviert. Nur schnelle und schwere Bewegungsausführen zusammen führen somit zu einer umfassenden Stimulation der beteiligten Muskulatur.

Kraft ist nun einmal gleich Masse mal Beschleunigung. Je mehr ich demnach ein hohes Gewicht beschleunige, desto stärker wird auch meine Fähigkeit, hohe Kräfte zu entfalten, gefordert und somit auch gefördert.

Hinzu kommt, dass man durch derart schnellkräftige Bewegungen die Faserverteilung im eigenen Körper optimieren kann. Diese scheint nämlich überhaupt nicht in den Genen so festgeschrieben zu sein, wie bisher angenommen. Vielmehr scheinen sich die Muskelfasern in dem Typ zu exprimieren, wie sie auch trainiert werden. Langsam zuckende Muskelfasern sind für schlanke Marathonläufer und schnell zuckende Muskelfasern für alle die Maxkraft und Hypertrophie lieben.
Falls wir somit die Möglichkeit haben, durch eine gezielte Beschleunigung unserer Bewegungsausführung unsere eigenen Muskelfasern einen weiteren Tritt in diese Richtung zu versetzen, sollten wir sie auch nutzen.

Ich möchte hier jedoch nicht weiter in wissenschaftliche Hintergründe eintauchen, da es dort viele Widersprüche und noch offene Fragen zu geben scheint. Probieren geht hier über studieren. Unabhängig aller wissenschaftlicher Irrungen und Wirrungen scheint mir eine beschleunigte Übungsausführung zu besseren Erfolgen zu führen (oder zumindest nicht kontraproduktiv zu sein) – insbesondere wenn es darum geht, möglichst viel Muskelschmalz möglichst schnell zu aktivieren und somit auch zu trainieren. Mit Super Slow ist das einfach nicht drin.

Für unsere umfassende Übung des Hebens, Ziehens, Umsetzens und Drückens sollten wir somit ebenfalls so schnell wie möglich arbeiten, solange wir dabei eine saubere Technik beibehalten können.

Die Technik

Wir beginnen mit der ganz normalen Bewegung des Kreuzhebens nur mit einem mehr als schulterweiten Griff. Die Hantelstange sollte dabei über der Mitte des Fußes verweilen und die Schulterblätter genau über der Hantel – die Schultern müssen somit vor der Stange stehen. (Der Schwerpunkt des Schultergürtels liegt nämlich in den Schulterblättern und nicht in der Schulter.)

Nun beginnen wir mit einem sauberen Wegheben der Stange vom Boden, wobei der Rücken in einem leichten Hohlkreuz gehalten wird und einer Parallelverschiebung relativ zum Boden folgt – sprich der Neigungswinkel desselben relativ zum Boden bleibt gleich.

Erst wenn die Stange die Kniegelenke passiert hat, öffnet sich der Winkel und der Oberkörper wird aufgerichtet, währenddessen sich die Beine vollständig strecken. Gleichzeitig wird der gesamte Schultergürtel vom Trapezius aktiv – in einer Art Shrug-Bewegung – nach oben gezogen und auch die Ellenbogen folgen – wie beim aufrechten Rudern – der Bewegung nach oben. Erst wenn die Ellenbogen fast auf Schulhöhe sind, wird die Hantel auf die gleiche Höhe wie Ellenbogen und Schultern weiterbewegt, passiert diese um anschließend in einer sauberen Drückbewegung gen Decke dirigiert zu werden.

Dabei streckt man die Arme voll durch und auch die Schultern werden voll nach oben geshrugt, um eine vollständige Kontraktion der gesamten kinetischen Kette von den Fußmuskeln bis hinauf in die Hände gewährleisten zu können. Nur so ist es auch überhaupt möglich, wirklich schwere Gewicht zu beherrschen. Der gesamte Körper muss hier stark kämpfen, um die für solch einen schweren Kraftakt notwendige Stabilität gewährleisten zu können. Und genau hier liegt auch der Nutzen dieser umfassenden Grundübung: Wenn sie schnell, schwer und doch kontrolliert ausgeführt wird, besitzt sie das Potenzial, wirklich jede einzelne Faser im Körper eines Athleten zu aktivieren und folglich auch zu trainieren.

Selbst wenn dies etwas übertrieben ist, gibt es ganz sicher keine andere Übung im Hantelsport, die mehr Muskeln während einer einzigen Bewegung zu aktivieren und im Verbund zu trainieren vermag.

Physikalisches zum Schwerpunkt

Es wurde ja bereits darauf hingewiesen, dass zu Beginn der Ausführung der Schwerpunkt beachtet werden muss. Dies gilt auch für den Rest der Ausführung. Der Schwerpunkt unseres Körpers liegt in der Mitte unserer Füße und genau über dieser Mitte sollte die Hantel die ganze Zeit ihren Lauf nehmen.

Beim Heben führen wir die Hantel somit nahe an den Schienbeinen; wenn sie die Kniegelenke passiert hat, bleiben wir mit ihr so nah wie möglich an den Oberschenkel; beim Ziehen nehmen wir die Ellenbogen so weit nach hinten, bis die Hantel ganz nah an unserem Oberkörper entlang verlaufen kann; damit sie dann – weiterhin schwerpunktgetreu – unseren Kopf passieren kann, nehmen wir diesen zurück sowie ein ausreichend hohles Kreuz ein und wenn die Hantel den Kopf passiert hat, tauchen wir mit Kopf und Körper wieder unter die Hantel und gehen in die volle Streckung über.

Die Übung aller Übungen

Das alles muss man erst ein wenig mit leichtem Gewicht üben, aber sofern man den korrekten Bewegungsablauf verinnerlicht hat, kann man hier ordentlich Gewicht auflegen.

Alleine diese Übung – beharrlich und progressiv trainiert – vermag aus einem menschlichen Körper eine wahre Kraftmaschine zu machen. Auf die Ausformung seiner Muskulatur hat sie einen wahren Herkules-Effekt. Schließlich beteiligt sie fast all diejenigen Muskeln, die notwendig sind, um eine stattliche Statur zu entwickeln. Allenfalls das Ziehen nach oben (Klimmzüge), das Drücken nach unten (Dips) und eine schwerere Belastung der Beine (Kniebeugen) wären hier noch zum Ausgleich notwendig.

Des Weiteren ist diese Übung die Möglichkeit einen absolut ästhetischen, da symmetrischen, bzw. wohlproportionierten Körper zu entwickeln, da die Muskeln nicht einzeln mit verschiedenen Gewichten, sondern im Verbund gegen den gleichen Widerstand trainiert werden. Aus diesem Grund wird auch ihr Wachstum gleichmäßig – quasi auch im Verbund – ausfallen und zwar genau so, wie es für den Körper von seiner Natur her vorhergesehen ist: Gleichmäßige Belastung durch natürliche Bewegungen führen nämlich auch zu natürlich gleichmäßigem Wachstum.

Bekannt, unbekannt!?

Trotz all diesen Vorteilen ist diese Ausführung sehr unbekannt, sogar dort wo man nicht dem Wahn der Isolations- und Maschinenübungen verfallen ist. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich so auch noch nie von ihr gehört oder gelesen. Mir ist diese wunderbare Trainingsmöglichkeit erst klar geworden, als ich mich eingehender mit den Übungen des Gewichthebens befasst und versucht habe, sie produktiv in mein BB-/Kraft-Training zu integrieren.

Doch seitdem liebe ich diese Übung. Sie kommt bei mir in jeden Trainingsplan, selbst wenn sie an manchen Tagen nur fürs Aufwärmen herhalten muss. Ich mache sie an jedem einzelnen Trainingstag und profitiere mit jeder einzelnen Wiederholung davon.

Du solltest sie zumindest einmal ausprobieren. Ich bin mir sicher, dass Du ihren Nutzen erkennen wirst.

Leider kenne ich jedoch ihren Namen nicht, bzw. habe ich mir noch keinen für sie ausgedacht. Was würdest Du vorschlagen?

Bilderquellen: jontunn

Kommentare

Altbekannt und immer noch gut.

Eine Übung wie diese war mein jahrelanger Begleiter während des Ringertrainings:

Das Aufheben der Hantel vom Boden, umgreifen/ umklappen der Hände vor der Brust.
Dann über Kopf drücken (~5 Whd.), danach die Hantel auf dem Nacken/ Schultergürtel ablegen, 5 Kniebeugen und danach die Hantel nochmal über Kopf gedrückt und auf den Boden gelegt.

Das ganze 5-10 mal wiederholt für die Kraftausdauer.

Damals konnte ich mit meinen 110 Kilo noch 25 Klimmzüge machen ;) Hach warn das Zeiten.

@Christian: einen sehr schönen Blog hast du geschaffen, sehr gut zu lesen, ich krieg richtig Lust mal wieder n paar Gewichte zu stemmen ;)

Selbst Kai Greene nutzt diese

Hallo, ich habe heute zum

Hallo, ich habe heute zum ersten mal diese Übung probiert, und bin total begeistert.
Auch wenn das Gewicht gering war, war sie verdammt anstrengend :)

Ich wollte fragen, ob diese Übung auch das Bankdrücken ersetzen kann.
Ich habe hier gelesen, dass Bankdrücken im Prinzip nur eine vereinfachte Form von Überkopfdrücken ist, und das ist ja hier mit enthalten.
Ich bin kein Bankdrückfan, ich kann die Übung nämlich nicht gefahrlos für mich alleine mit maximalem Gewicht trainieren, das nervt mich.

Also, kann ich mit dieser Übung ohne das Bankdrücken im Trainingsplan eine starke und symmetrische Brustmuskulatur aufbauen?

Trainiere ich mit Kreuzheben, Frontkniebeugen, Klimmzügen und dieser Übung meinen ganzen Körper?
Wird irgendwas zu viel/wenig belastet wodurch Dysbalancen entstehen werden?

Danke für deine Hilfe :)

Das ist schon ein sehr gutes

Das ist schon ein sehr gutes Grundgerüst.

Damit trainierst Du alle möglichen Bewegungen des Körpers, aber nicht alle möglichen Bewegungsrichtungen des Körpers.

Wenn Du wirklich ausgewogen trainieren möchtest, solltest Du auch all die anderen guten Grundübungen immer mal wieder trainieren; also: normale Kniebeugen, Kreuzheben mit fast gestreckten Beinen, Dips, vorg. Rudern und darüber hinaus auch weitere durchaus sinnvolle Übungen wie Bankdrücken, Schrägbankdrücken, Überzüge oder gar Seitheben und Wadenheben usw.

Wo möglich sollte man auch regelmäßig mit Kurzhanteln arbeiten.

Du siehst also, dass es langfristig nicht mit ein paar Übungen getan ist - zumindest, wenn man eine umfassende Entwicklung anstreben möchte - zum Glück, denn monate- und jahrelang immer das Gleiche zu trainieren, wird auf die Dauer sehr müßig.

Variatio delectat - Abwechslung erfreut.

Mit Deinen Übungen kannst Du durchaus schon eine sehr gute Basis aufbauen - aber bedenke auch stets die notwendige Abwechslung.

Für eine umfassende Entwicklung der Brust solltest Du auf jeden Fall noch Dips oder eine Drückübung auf der (Schräg-)Bank mit Kurzhanteln oder Fliegende am Kabelzug dazu nehmen.

Es ist eine fulminante Grundbewegen des Pectoralis major, die Arme nach vorne zusammen zu führen - dem sollte auch jeder folgen, der sich einen gut gebauten Brustkorb erarbeiten möchte.

Ich habe Ihren Artikel mit

Ich habe Ihren Artikel mit Interesse gelesen, aber mir fällt es immer etwas schwer mir den genauen Übungsablauf vorzustellen; könnten Sie evtl. ein Video aufnehmen, das die korrekte Ausführung zeigt? Ich würde die sehr gerne in meinen Plan aufnehmen!

Muscle Snatch

Es geht stark in die Richtung vom Muscle Snatch. S. dazu z.B. hier bei Sek. 23:

http://www.youtube.com/watch?v=pKviztVgkGY&feature=related

Man sollte jedoch etwas enger greifen, um die Belastung auch mehr auf die Zug- und Drück-Bewegung sowie -Muskeln zu legen.

Durch das Video bin ich jetzt

Durch das Video bin ich jetzt doch etwas verwirrt..

Ich habe beim Durchlesen früher immer daran gedacht zuerst einen PowerClean zu machen und dann Push Press, jedoch in fließender Bewegung.

Das hört sich für mich irgendwie Sinnvoller an als die Arme gestreckt zu lassen.
Zudem aktiviert es auch dieselben Muskeln.

Oder reden wir hier über 2 verschiedene Übungskombinationen?

Eine Bewegung

Es soll eine fließende Bewegung sein und wenn man enger greift, ist es auch eine flüssige Bewegung, in der der Zug fließend in das Drücken übergeht, ohne dass die Arme dabei gestreckt sind.