I am the master of my fate: I am the captain of my soul.In der Psychotherapie bezeichnet der Begriff „Gestaltungsraum“ die Gesamtheit aller Möglichkeiten eines Menschen, sein Leben, seine Umwelt und seine Wahrnehmungen und Handlungen in dieser zu gestalten.
Schwache, erfolglose und vom Schicksal gebeutelte Menschen zeichnen sich hier ganz einfach dadurch aus, dass sie ihren Gestaltungsraum als objektiv bestehend anerkennen und sich durch diesen definieren lassen. In gewissem Sinne gehört jeder von uns zu diesen Menschen – der eine mehr, der andere weniger.
Nichts steht still und wenn wir nicht die Kontrolle über die näheren Umstände unseres Daseins haben, dann können wir auch nicht erwarten, dass sich eben diese zu unseren Gunsten entwickeln werden. Da können wir genau so gut Lotto spielen oder an dubiose Supplements glauben.
Der zweite Haupsatz der Thermodynamik besagt, dass die Entropie des Gesamtsystems immer zunimmt. „Entropie“ ist dabei als ein Maß der Unordnung anzusehen.
Mischen wir z.B. ein geordnetes Kartenspiel, dann wird es dadurch immer unordentlicher und die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann zufällig wieder in einen Zustand der Ordnung kommt, wird mit jedem weiteren Mischen geringer. Das Chaos hat uns alle im Griff und nimmt stetig zu.
Im Klartext bedeutet dies, dass sich all Deine Lebensumstände – Dein gesamter Gestaltungsraum – immer mehr zerfransen wird, je mehr Du hier die Zügel schleifen lässt. Das ist Gesetz. Das Gesetz der Natur. Dass sich hier alles zu Deinen Gunsten entwickelt ist dabei so wahrscheinlich wie die Existenz eines tugendhaften Politikers.
Hast Du ein Ziel vor Augen, ja willst Du Deinem Leben einen Sinn verleihen, dann musst Du auch was dafür tun, dann musst Du erstmal gehörig in Deinem Leben aufräumen und Deinen Gestaltungsraum entsprechend einrichten.
Bereits hier scheitert es jedoch bei den meisten Menschen. Sie haben ein Ziel und sind durchaus strebsam, aber sie schaffen es nicht ihr Leben auf die Kette zu bekommen und all seine Aspekte entsprechend zielgerichtet auszurichten.
Alles, was hierbei in unserer Macht liegt und dem Chaos entrissen werden kann, muss von uns auch entsprechend beherrscht werden. Ernährung, Training, Regeneration, Einstellung, Schlaf, Soziale Kontakte, Job, Motivation, Lektüre, Musik, Gedanken... usw. usf.
All dies ist Knete in den Händen eines schaffenden Menschen. Er formt sein Dasein, er erschafft seine eigene Existenz. Er ist der Architekt seines eigenen zielgerichteten Gestaltungsraumes.
Es bringt null komma null, macht man hier nur halbherzige Versuche, mal diesen oder mal jenen Parameter zu optimieren. Ein Haus renoviert man nicht, indem man nur die Türscharniere ölt.
All diese halbherzigen Versuche hängen mir so dermaßen aus dem Halse raus... und dann das ewige Palaver: „Ich hab doch dies gemacht.“ „Ich hab doch das gemacht.“ „Bei mir funktioniert das einfach nicht.“ „Meine Genetik“ hier, „meine Eltern“ da, „der Stress im Beruf“, die „Probleme in der Familie“, „gesunde Nahrungsmittel sind ja soooo teuer“ usw. bis zum geht nicht mehr.
Wir Menschen lieben es, unser Versagen zu rationalisieren. Unsere Vernunft ist so gebaut, dass sie immer einen Grund findet, der uns unser Versagen eindeutig erklären wird. In Anbetracht dieser dahingesülzten und oftmals sogar sehr stichhaltigen Argumente scheint das eigene Versagen sogar unabdingbar zu sein – quasi ebenfalls Naturgesetz wie der zweite Hauptsatz der Thermodynamik.
Und das größte Problem dabei ist auch noch:
Wir lieben es, uns zu belügen, denn wir hassen es, zu versagen und je größere Versager wir werden, desto bessere Lügner werden wir auch. Anders könnten wir uns schließlich morgens im Spiegel überhaupt nicht mehr in die Augen blicken.
Ein jeder Mensch adelt sich, indem er eigenes Versagen offen eingesteht, denn dies ist der erste Schritt zum Erfolg. Was geschehen ist, ist geschehen und indem wir es künstlich rationalisieren, nehmen wir uns die Möglichkeit, daraus zu lernen, da wir auf diese Weise die Gründe für das Versagen aus unserem Gestaltungsraum hinausschieben.
Dadurch reden wir uns ein, dass wir es einfach nicht im Griff gehabt haben, dass jemand anders oder die Umstände außerhalb unserer Macht dafür verantwortlich wären und schwupps sind wir frei aller Schuld.
Oftmals ist diese Fähigkeit dermaßen stark ausgeprägt, dass wir inständig daran glauben, aber in Wirklichkeit ist jedes unserer Versagen auch unsere Schuld. Sehen wir es endlich ein. Machen wir die Augen auf:
Hätten wir unseren Gestaltungsraum im Griff, wäre es anders verlaufen.
Unsere Möglichkeiten sind wirklich gewaltig und bereits die kleinsten Entscheidungen können hier enorme und weltbewegende Konsequenzen haben. So unscheinbare Entscheidungen wie was wir essen, was wir lesen, mit wem wir reden und unsere Freizeit verbringen, wo wir arbeiten, studieren und trainieren, was wir denken, fühlen, glauben und wollen, wie wir schlafen und mit wem wir schlafen, wo wir leben und wie wir uns entwickeln...
All dies liegt in unserer Macht und all dies lässt mich immer wieder in einer abgrundtiefen Mischung aus Lachen und Weinen im Kummer meines überbordenden Unverständnisses versinken.
„Mir gefällt dies nicht.“ „Mir gefällt das nicht.“ „Ich bin mit diesem Partner nicht glücklich.“ „Der Job ist mein Untergang.“ „In der Atmosphäre kann ich nicht trainieren.“ „Unter der Belastung kann ich nicht wachsen.“ et cetera perge, perge.
Ich kann das nicht verstehen. Heulen verändert doch überhaupt nichts! Es verschwendet nur Energie zeugt von eigener Unzulänglichkeit und dem Unvermögen, die Einrichtung des eigenen Gestaltungsraums in die eigene Hand zu nehmen. Wie kann man nur so schwach sein? Wie können wir nur so schwach sein? Wie können wir so nur leben? Wie kann man das eigene Leben und Potenzial nur so in den Dreck reden?
Mach endlich Schluss mit dem ganzen Müll. Raus damit. Sei verdammt nochmal radikal!
Du musst sowieso essen, also iss auch direkt das richtige und keinen Müll. Du willst abnehmen? Dann iss weniger und verbrauch mehr Energie! Du willst mehr Muskelmasse? Dann trainier beharrlich sowie progressiv und ernähre Dich entsprechend. Du willst mehr Erfolg im Beruf? Dann verdien ihn Dir. Du bist in Deiner Beziehung unzufrieden? Dann beende sie. Du lebst im dreckigsten Viertel der Stadt? Dann zieh in die Natur oder dorthin, wo es morgens glücklich macht, aus dem Fenster zu schauen. Dein Job nervt? Dann kündige. Du kannst Dich nicht ausstehen? Dann verändere Dich. Du hast das Gefühl von anderen Menschen nicht akzeptiert oder ausgelacht zu werden? Dann arbeite an Deinem Auftreten und hör auf eine Witzfigur zu sein. Du willst einen besseren Partner? Dann werde selbst begehrenswerter. Du bist zu hibbelig, schnell gestresst und flippst oft aus? Dann arbeite an Deiner Selbstbeherrschung. In Deiner Familie gibt es Probleme? Dann löse sie oder löse Dich von ihr. Du hast ein Problem damit, große Reden zu schwingen? Dann übe Dich in der Kunst der Rhetorik. Du säufst, rauchst oder nimmst Drogen? Selber schuld. Du bist schwach, fett und dumm? Selber schuld. Du lebst nicht das Leben, das Du leben willst? Auch das ist Deine Schuld.
All dies liegt im Rahmen Deines Gestaltungsraumes. Sei radikal – akzeptiere nichts davon! Verändere all dies.
Um ganz ehrlich zu sein, kann ich mit dem überall zu hörenden „Sei mit dem zufrieden, was Du bist“-Geschwafel nicht viel anfangen. Was soll das denn schon anders sein als eine Aufforderung, die eigenen Schwächen, Fehler und Nachlässigkeiten zu akzeptieren, die einen so unglücklich machen und einen daran hindern, sich weiterzuentwickeln?
Was bezweckt man denn damit? Zurückgebliebene Menschen? Menschen, die sich nicht weiterentwickeln sollen? Niemand wird wirklich dadurch glücklich, dass er sich einredet, er könne auch so glücklich sein, während die Ursachen der eigenen Verstimmung munter weiter bestehen.
Erst wenn man sich selbst und das eigene Leben zum Positiven verändert und alles Negative darin streicht, erst dann wird man wirklich glücklich, denn erst dann hat man auch allen Grund dazu. Glück kann man nicht herbeireden, man muss es erschaffen, sich hart verdienen.
Sei nicht, wer Du bist. Werde der, der Du sein willst!
Also verschwende nicht Deine Zeit, Dein Leben und Dein Potenzial. Beginne Dein Leben zu leben und definiere Deinen Gestaltungsraum im Sinne Deiner erwünschten Zielsetzung.
Mache hierbei so wenig Kompromisse wie möglich, hör auf herumzuheulen und für alles eine Entschuldigung zu suchen. Akzeptiere Dein Versagen, stehe zu Deiner Schuld, lerne daraus, streiche alle Schuldfaktoren und mache es beim nächsten Mal besser.
...werden durch ausreichend Erfahrung getroffen und ausreichend Erfahrung erhält man vor allem durch schlechte Entscheidungen.
Befinden sich in Deinem Leben Deiner Entwicklung abträgliche Faktoren, die außerhalb Deines Gestaltungsraumes liegen, dann streiche sie konsequent aus Deiner Existenz.
All die Idioten, Drogen, Ticks, Schwächen, Verpflichtungen, Bindungen, Ängste und Barrieren – mache kurzen Prozess mit ihnen und mag dies auch noch so gewaltige Konsequenzen haben. Es ist nicht immer leicht, sich einen schwer entzündeten und nicht mehr zu rettenden Zahn mitsamt Wurzel aus dem Kiefer zu reißen, aber genau dies ist die einzig intelligente und schneidige Lösung.
Die meisten Menschen haben jedoch Schiss vor solch extremen Schritten und gehen lieber an der sich langsam über den gesamten Körper ausbreitenden Entzündung zu Grunde. Sie haben nicht die Courage dazu, hart gegen sich selbst zu sein. Sie haben Angst davor. Aber genau diese Angst wird ihnen das Leben versauen!
Dabei kann es so einfach sein. Das Motto ist nun hoffentlich klar:
Wer dies nicht macht, hat es nicht anders verdient, als auch weiterhin durch sein schmerzliches Dasein zu humpeln, nichts zu verändern und nur von Zielen zu reden, anstatt sie zu erreichen.
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Kommentare
Genialer Artikel!
Bringt super auf den Punkt warum die meisten Menschen einfach nichts auf die Reihe kriegen. Man kann jederzeit alles zum positiven ändern, wer das nicht begreifen will ist selber schuld.
"Kopfarbeit"
Hi Christian,
hast es mal wieder auf den Punkt gebracht!
Deine psychologischen bzw. philosophischen Artikel, sind einfach super und von enormer Bedeutung für uns Eisenathleten.
Ich persönlich finde es mittlerweile relativ leicht "richtig" zu trainieren.Training macht ja auch Spass! Oft jedoch erwische mich, wie meine Gedanken/Handeln von meinen Zielen abweichen. Damit will ich sagen, dass Training auf einem vernünftigen Level im Vergleich zur richtigen "Kopfarbeit" wirklich einfach ist.
Deine Artikel oder auch das Buch sind eine gute Hilfe den richtigen Weg zu gehen. Den Willen zu entwickeln, zu festigen und vor allem nie aus den Augen zu verlieren!
Grüße!
Dominik
I am the master of my fate: I am the captain of my soul.
Die Bildunterschrift sah ich erst jetzt...
http://www.youtube.com/watch?v=eVi4k44A1Yo
Unbedingt den ganzen Film ansehen!
großartiger Film. Kann man
großartiger Film. Kann man jedem nur wärmstens empfehlen!
Ziele?
Hi Lupus,
Bereits hier scheitert es jedoch bei den meisten Menschen. Sie haben ein Ziel
Seh ich deutlich anders. Die allermeisten Menschen scheitern bereits im Vorfeld, weil sie haben gar kein Ziel. Schon gar kein klares Ziel. Wenn dann haben sie vage Vorstellungen ala "ich möchte, dass es mir besser geht, ich möchte mehr Geld verdienen..."
Und irgendwann fragen sie nach dem warum es nicht funktioniert hat, anstatt was sie jetzt tun dürfen, wie sie es tun müssen, wer ihnen dabei helfen kann usw...
Oder der Fehler liegt bei mir und ich kenne hauptsächlich Leute ohne klare Ziele, dann ist ein neues und konkretes Ziel für mich andere Menschen kennenzulernen, Menschen mit klaren Zielen die diese auch mit allerletzter Konsequenz verfolgen...
Danke für den schönen Beitrag
Viel Spass
wildsau
P.S. Ziele setzen und erreichen wäre eine Zielsetzung für einen neuen Blogeintrag.
"Not knowing what you want,
"Not knowing what you want, makes it harder to get what you want!" hat jemand mal gesagt.
Wer kein Ziele hat wird auch nie am Ziel ankommen.
Ziele
Ja, den Gedankengang hatte ich beim Schreiben dieses Satzes auch. Wie heißt es so schön: Die meisten Menschen sind zwar sehr zielstrebig, aber oftmals streben sie zuviel und zielen zu wenig.
In diesem Satz meinte ich eher das, was Du schon treffend als "vage Vorstellung" bezeichnest aka Glück, Erfolg, Reichtung, Gesundheit und Co.
Wie immer: Bestens auf den
Wie immer: Bestens auf den Punkt getroffen.
Danke Christian!
Du sprichst mir echt aus der
Du sprichst mir echt aus der Seele.
Am liebsten würde ich diesen Artikel ausdrucken und jedem geben der mir erzählt was ihn alles davon abhält zu sein wer er gern wäre und zu machen was er gerne täte.
Die meisten denen ich mal einen Artikel von hier empfohlen habe hatten nur die Antwort "sowas ist nichts für mich, Philosophie und so das is mir zu kompliziert ".
Finde deine Artikel 1A. Ist
Finde deine Artikel 1A. Ist eine meiner Lieblingsseiten hier. Weiter so!
Thumbs up
Das ist der mit Abstand beste Artikel, den ich seit langem gelesen hab`.Eigentlich weiß es ja jeder, aber es ist gut, es ab und an zu hören(lesen!).
Greetings,
Stefan